Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 9 (September 1921)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1921-09-01
- Page
- 249 (sequence 2)
- Language
- German
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o.citschml 249 reicher Bedrückungen im Falle einer Polenherrschast für die vberschlesischen Inden nich; das Bestimmende, sondern weit mehr das in ihnen starr nnd fest wurzelnde Bewußtsein der Zugehörigkeit ihres Landes zum deutschen Land. Es wir!:, wenn man diese Stimmung der oberschlesischen Juden kennt, um so grotesker, wenn man sieht, wie antisemitische Schreiber¬ und Schreier-Seelen, denen allerdings noch die Gluthitze des Juli das Restchen Gehirn ausgedörrt zu haben scheint, davon schreiben und schreien, daß das Judentum daran arbeite, Oberschlesien den Polen zu verkaufen. Und es wirkt ebenso grotesk, wenn es nicht so unsagbar traurig und zugleich schmachvoll erniedrigend wäre, wie in dieser Zeit, in der vielleicht die schwerste Entscheidung für Deutschland getroffen wird, der Antisemitismus an allen Ecken und Kanten weitersprudelt und sich gebärdet, als ob er von Rechts wegen der mächtigste Strom fei, dessen Rauschen alle deutschen Ohren zu hören hätten. Wir sind ja allmählich diese Dinge gewohnt nnd haben es gelernt, wenn auch nicht zu begreifen, so doch mit anzusehen, daß der Antisemitismus zwar nicht der Strom, aber doch das Sumpfwässerchen ist, das am deutlichsten dann riecht, wenn die Not am fühlbarsten ist. Aber tiestranrig bleibt alles dieses doch. Wieder einmal hat sich der Ueberfluß an Kraft einiger besonders rühriger Judenfeinde in einem körperlichen Exzeß gegen die Juden entladen, indem man es für zweckmäßig hielt, in dem bayerischen Städtchen Memmingen nach Herzenslust Juden zu verprügeln und bei ihnen zu plündern. Es liegt für uns kein Anlaß vor, ein Wort der Verteidigung für Juden zu sprechen, die sich in der Tat gegen gesetzliche Anordnungen der Lebensmittelwirtschaft vergangen haben, selbst wenn es in dem Lande geschieht, in dem sonst die Bauern nichtjüdischen Bekenntnisses um wenigsten den behördlichen Anordnungen zur Ablieferung von Getreide und dergleichen Folge leisten; aber das ist ja bekanntlich, selbst wenn es zur Massenerscheinung wird, weit weniger schlimm, als wenn ein Jude 56 Pfund Mehl und einige Pfund Butter nicht herausgegeben hot! (So meldet der Gerichtsbericht!) Und es ist ebenso nach den gemachten Erfahrungen „begreiflich", daß die armen Menschen, die ob ihrer Selbsthilfe, alias schwerer Körperverletzung, Diebstahl und Raub, öffentlich vom Magistrat gemißbilligt werden, als Märtyrer hingestellt, während die anderen nur der verdienten Züchtigung verfallen sind! So meinen es wenigsteits die Antisemiten! Es ist eben eine eigenartige Welt, in der wir heutzutage leben! Uno mau fifteorarttastR