Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 9 (September 1921)
- Article
- Kommunismus, Sozialismus und biblisches Judentum
- Date
- 1921-09-01
- Page
- 247 (sequence 3)
- Language
- German
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ftomrTUir.ilmii?, Sö3idi?Ri::? und biblisches Judentum 247 III. Das Verhältnis geistiger zu körperlicher Arbeit. Das AlteTesiament erkennt zwar den Wert der köperlichen Arbeit, ihre moralische und sittliche Bedeutung ausdrücklich an, aber es legt doch der Geistesarbeit ein noch höheres Gewicht bei. Der M arxismus bewertet verhältnismäßig körperliche Arbeit viel höher als geistige, ob mit Recht oder Unrecht sei hier nicht erörtert. — Mag es nun bei diesen drei Punkten in der Gegenwart oder Zukunft Brücken geben, die der Jude in seiner Eigenschaft als solcher betreten könnte, so ist das bei zwei weiteren unmöglich, ist die Kluft zwischen mosaischer und sozialistischer Auffassung nie zu überwinden. Das sind: IV. Der Individualismus: Das Alte Testament bzw. die mosaische Gesetzgebung isr wohl die demokratischste, die es bislang gibt, aber sie lägt der Persönlichkeit des Einzelnen volle Freiheit des Willens, verlangt sie geradezu vom Menschen und für den Menschen. Der Marxismus baut sein ganzes System auf dem geraden Gegenteil auf. Freiwillige für die Opferwoche, stellt Euch sofort in Mafien Eurer zuständigen Ortsgruppe zur Verfügung. Für besonders verdienstvolle Mitarbeit werden vom Vorstände künstlerische Ehrendiplome verliehen. V. Die Auffassung von und über Geschichte. Das Mte Testament erkennt in allem Geschehen das Werk einer höheren Fügung, in der Erscheinung und dem Wirken großer Männer die Kundgebung göttlichen Geistes, in den Weltgeschehnissen die Folgen ihrer Taten. Der Marxismus erblickt in allem Geschehen, was und auf welchem Gebiete es auch immer erfolgte, einzig und allein das Produkt der jeweiligen ökonomischen Zustände. Nicht einmal Kunst und Literatur nimmt er von dieser Anschauung aus. Ein Kompromiß in diesen beiden letzten Punkten ist begrifflich nicht möglich. Deshalb geben auch die meisten jüdischen wirklichen Anhänger der Sozialdemokratie und des Kommunismus im Gegensatz zu den sogenannten Mitläufern ihre Religion teils mehr teils weniger offiziell aus. Sie werfen ihr Judentum auch noch aus einem anderen Grunde ab, gerade weil „seine Seele Zukunft denkt", weil es die idealen Zustande irdischer und menschlicher Aückseligkcit, die ja auch der Sozialismus auf anderem, rein ökonomischem und mechanischem Wege erreichen will, erst von der Ver-