Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1921-09-01 · Heft 9 (September 1921) · p. 244

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 9 (September 1921)
Article
Vor dem Winter
Date
1921-09-01
Page
244 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316912-2316919-2358837--32176-2358885
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

244 Im deutschen Reich 6. Der Vertrauensmann lehre unsere Freunde den Wert von Versammlungen und öffentlichen Veranstaltungen schätzen. Es gibt eine ganze Anzahl von Juden, die aus einem gewissen Vornehmheitsdünkel heraus jüdische Versammlungen meiden. Man überschlägt sich in übertünchter Bildung, ist „mosaisch", gibt sich nicht zu erkennen und läßt den Zehnjährigen „Horst" den evangelischen Religionsunterricht „mitnehmen". Dieser Typus ist in den Großstädten immer noch häufig anzutreffen. Hier gilt es einzugreifen und den Wert des Besuchs von Versammlungen diesen innerlich unbeteiligten Kreisen nahezubringen. Gerade in derGemeinsamkeit öffentlicher Erörterung werden Mllensregungen ausgelöst, die uns innerlich stärken, den Ghettotypus töten und uns frei werden lassen. Politik kann nicht immer mit vornehmen Mitteln arbeiten, sorgen wir dafür, daß, wenn sie jetzt unvornehm ist, sie vornehmer wird. Und auch dazu sollen uns unsere „Vornehmen" helfen. Für sie bietet sich in unserem Kreis eine besonders schöne und dankbare Aufgabe. 6. Der Vertrauensmann lehre unsere Freunde die Notwendigkeit, unsere nichtjüdische Umgebung über uns aufzuklären. Das geschieht Z.B. schon dadurch, daß ein jeder die Heftchen dieser Zeitschrift an nichtjüdische Kreise weitergibt, wenn er sie nicht sammelt; daß er lernt, im gesellschaftlichen Verkehr, in Handel und Wandel die ehrenkränkende Meinung abzuwehren, er selbst sei zwar anständig, die andern aber seien die Schurken. Von der Leitung unseres Vereins können bestenfalls die Waffen geschmiedet werden: die Kraft und Kunst, die ihr Gebrauch erfordert, muß die Organisation dem Einzelnen vermitteln. Wodurch ist die katholische Welt so lebensbeständig, so unüberwindlich geworden? Durch die Einsicht, daß man alle ihr Zugehörigen restlos erfassen und ihnen durch die vorbildlichen Einrichtungen die Kraft zur Selbst« ehr und Selbstwehr vermitteln muß. Aus den Einzelnen kommt es letzten Endes an. Er ist der Soldat und soll der Sieger im Kampf gegen die Finsterlinge sein. 7. Der Vertrauensmann wirke dahin, daß die Bedeutung der Stärkung unserer materiellen Mittel jedem Mitglied ausgeht. Wir haben Führer — leider muß es gesagt sein —, die für die finanziellen Anforderungen der Zeit kein Verständnis zeigen. Sie haben sich weder um die infolge der allgemeinen Preissteigerung notwendige Erhöhung der Beiträge noch um die aus den gleichen Gründen notwendig gewordenen Sammlungen gekümmert und uns durch ihre mangelnde Unterstützung schwer enttäuscht. Die. die es nicht für nötig halten, für die Ehre ihrer Gemeinschaft auch materiell einzutreten, laden eine schwere Schuld auf sich. Wer zu feige ist, seine Kreunde persönlich auf diese elementarste Pflicht hinzuweisen, dem können wir nie den Ehrentitel eines „Mitkämpfers" zugestehen. 8. Der Vertrauensmann lehre unsere Freunde die richtige Wertung unserer Arbeit. Kritik ohne genaue Kenntnis der Dinge, die zum Gegenstand der Betrachtung gemacht werden, bedeutet Pest; Kritik eines wahren Helfers am Werke bedeutet Segen. Man hüte sich vor der gedankenlosen Wiederholung der Phrase: Wir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.