Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1921)
- Article
- Rasse und Judentum
- Date
- 1921-07-01
- Page
- 203 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Rasse und Judentum 203 die Kommunikationen erleichternden Planeten k e i n e u n g e - wischte Rasse.... auf dieser Erde gehen alle Rassen ineinander über, und jede Rasse setzt sich aus verschiedenen Unterabteilungen zusammen." Zweifellos gibt es Unterschiebe, die uns als auffällige Rassenmerkmale erscheinen. Aber ganz zweifellos ist es zugleich, daß, so. bald man diese Unterschiede benutzen will, um bestimmte Rassen, vor allem europäische. Rassen, fest zu umgrenzen, dann zeigt es sich, es sind schließlich der Uebergänge so vielfache; sie sind so fein und unmerklich, daß jede feste Grenzlinie sich auflöst und schließlich bei scharfem Zusehen mehr und mehr verschwindet. Gewiß sind RasseneigentümlichkeiLen vorhanden, die in extremen Füllen auch verhältnismäßig deutlich ausgeprägt sind. Aber daneben gibt es eine außerordentlich große Anzahl von Grenzfällen, die jede zuverlässige Unterscheidung unmöglich wachen. Nicht jeder Maßstab mangelt, aber er ist in sehr vielen Fällen nicht verwendbar; er ist in einer noch viel größeren Anzahl Won Füllen unzuverlässig, und so ist seine Brauchbarkeit für die praktisch e Politik und für praktische Fragen des Lebens auf jene demagogischen Kreise beschränkt, die politisch-vulgäre Wirkungen erzsielen wollen. Der Religionshaß und der Rassenhaß haben ihr Fundament in menschlichen Leidenschaften, und zwar in gemdnen menschlichen Leidenschaften, nicht aber in der wissenschaftlichen Erkenntnis der Menschheit. Für solche Betrachtungsweise findet man bei Kautsky reiches, wissenschaftliches Material. Es ist übrigens nur notwendig, mit einigem Verständnis die Vergangenheit und die Gegenwart zu betrachten, um für bas Rassenproblem, insbesondere für das Problem der „reinen Rasse", eine eindeutige Antwort zu erhalten. Von „reinen Rassen" zu sprechen, ist etwa ebenso intelligent, wie wenn man von reinen Mischungen reden wollte. Alle Rassen, die in den Prozeß des historischen Werdens und Vergehens einbezogen waren, sind natürlich nicht „reinblütig"; sie sind Mischlinge in dem Sinne, daß andere Nationen, andere Völker, andere Rassen, die wiederum „nicht rein" wären, in sie ausgenommen worden sind. Im Laufe der historischen Entwicklung bleiben die Rassen nicht, was sie waren; sie erhalten Zufuhren vom Blut anderer verwandter Völker und auch fremder Rassen. Körperlich und geistig werden in dem riesigen, nie abgeschlossenen Werdegang der Menschheit die Rassen und Völker umgeformt, beeinflußt und wieder beeinflußt, und gerade durch solche Einwirkungen und immer wieder erneuerte Einwirkungen andersgearteter Rassen und Kulturen stieg die Menschheit höher und höher bis zu ihrer jetzigen Stufe. Daß eines der Elemente dieser Höherentwicklung gerade auch in diesem Prozeß, einer glücklichen Vermischung begründet ist, steht fest. Diese Behauptung läßt sich aus den geschichtlichen Vorgängen, die wir alle kennen, mit voller Deutlichkeit erweisen.