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Im deutschen Reich · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1921) · p. 202

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1921)
Article
Rasse und Judentum
Date
1921-07-01
Page
202 (sequence 1)
Language
German
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202 Im deutschen Reich Nsffs nnb Judentum. Lou Dr. Paul Nathau. Karl Kautsky gehört heute zu den sozialistischen Theoretikern von hoher Bedeutung; er ist ein Hüter der Marxs-chen Tradition und in Deutschland einer der anerkanntesten Interpreten der Marxistischen Gedankenwelt. Wenn ein solcher Mann, der für die Arbeitermassen eine Autorität ist, über „Rasse und Judentum"*) schreibt, so verdient seine Veröffentlichung besondere Beachtung. Sie wird aus das stärkste die sozialistische Arbeiter- Welt in Deutschland, aber nicht nur diese, beeinflussen. Dies das Gewicht seiner Schrift nach der p r a k t i s ch -Po l i t i s ch e rr Seite hin. Ein Mann wie Kautsky darf aber gleichzeitig ernste Aufmerksamkeit als politischer Deuter beanspruchen. Wie erheblich der Einfluß dieser Schrift auf die deutschen führenden Kreise insbesondere der Sozialdemokratie gewesen ist, geht schließlich daraus hervor, daß die Veröffentlichung heute in zweiter Auflage vorliegt, ein erfreuliches Zeichen für den Ernst, mit dem in deutschen sozialistischen Kreisen Probleme des modernen Volkslebens beachtet und geprüft werden. Es kann nicht der Zweck einer Anzeige sein, den wesentlichen Inhalt dieser Broschüre auszuschöpfen. An dieser Stelle soll nur auf einige, besonders wichtige Punkte hingewiesen werden, über die die Broschüre helles Licht zu verbreiten su-cht. Wir leben im naturwissenschaftlichen Zeitalter, und dieser Umstand hat der antisemitischen Bewegung unserer Tage den Stempel aufgedrückr. Der Haß geht gegen das Judentum oder man sollte besser sagen, der ^Haß geht gegen den Anderen", gegen den Mitmenschen, gegen den unbequemen Nächsten, gegen den Konkurrenten; man kämpft nicht mehr gegen die andersgeartete Religion. Auch der Antisemitismus hat sich modernisiert. Nachdem Darwin gelehrt, ist es zugkräftiger, statt von Golgatha von Z ü ch t u n g s r e s u l t a t e n zu sprechen, und so ist denn aus der religiösen Frage vor allem eine Frage der Stabilität oder der Umbildung und Variabilität der Rassen geworden. Daß religionsphilosophische Fragen und naturwissenschaftliche Probleme vom Antisemitismus der Vergangenheit und Gegenwart gleicb oberflächlich, gleich unwissenschaftlich und gleichmäßig nur von vorgefaßter Anschauung und von Haß beleuchtet, behandelt werden, ist selbstverständlich. Zu diesen Behauptungen liefert die Schrift von Karl Kautsky eine reiche Fülle, starken Beweismaterials, Kautsky führt unter anderen Autoritären für seinen Standpunkt Ratzels Anthropogeographie an. Ratzel sagt: „Was uns die Gegenwart in Millionen Fällen zeigt, hat auch in aller Vergangenheit bestanden, und es gibt auf diesem kleinen, *) Karl Kautsky, Rasse und Judentum. Zweite durchgesehens und vermehrte Auflage. Stuttgart, I. H. W. Dietz Nfg. 1921. Preis 8 M.

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