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Im deutschen Reich · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1921) · p. 200

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1921)
Article
Betrachtungen zum jüdischen Nationalismus
Date
1921-07-01
Page
200 (sequence 8)
Language
German
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200 Im deutschen Reich Verhalten? „Die jüdische Vollkultur", heißt es Lei Weltsch, „ist heute noch nicht imstande, den Westeuropäer vollkommen auszufüllen; er bleibt noch auf lange Zeit dankbarer Schüler der deutschen, englischen oder tschechischen Sprache und Kultur. Die Situation des Westjuden ist eine konkrete und läßt sich mit keiner ähnlichen vergleichen. Es gibt für sein Verhalten keine Rezepte und keine abstrakten Theorien. Die Frage, wie sich die Mitarbeit an der allmählichen Schaffung einer jüdischen Kultur und die Mitarbeit an der Kultur, welcher das Individuum seine Erziehung verdankt, verträgt, kann nur jeder einzelne für sich selbst unter höchster Anspannung seines BerauLwortungsbewußtseins lösen." Ich habe vergebens versucht, mir diese Anweisung zu deuten. Einerseits soll der Jude an der Kultur Mitarbeiten, der er seine Erziehung verdankt, also an einer der europäischen Kulturen, andererseits soll er an der allmählichen Schaffung einer jüdischen Bollkultur mitschaffen — das ist wohl in der Theorie möglich, nicht aber in der Praxis. Es gibt keine kulturellen Amphibien. Der Mensch kann nur in einer Kultur ganz wurzeln und nur in einer schaffend Mitarbeiten. Er kann und soll die Leistungen anderer Kulturen verfolgen, sich mit ihnen bekannt machen, sich durch sie bereichern, aber sein schöpferisches Zentrum kann nur in einer Kultur liegen. Der Mensch als kulturschaffende Kraft ist ein Kreis, keine Ellipse. Das sollte gerade dem Nationalisten selbstverständlich sein. Für den Juden, der sich in Palästina ansiedelt, liegen die Verhältnisse einfach. Er wächst mit der jüdischen Sprache auf, sie beut sich ihm von selbst als Werkzeug kulturellen Schaffens. Für die Millionen außerpalästinischer Juden — und nur ein kleiner Bruchteil der Juden kann ja in Palästina Unterkommen — aber ist schon die Mangelhaftigkeit der Sprachbeherrschnng ein nnaushebbares Hindernis, an einer jüdischen Bollkultur produktiv mitzuarbeiten. Man kann wohl in einer zweiten Sprache sich fehlerlos ausdrücken lernen, aber nicht in ihr Werke dauernden Gehaltes schaffen. Die Sprache, das erkennt auch Weltsch an, ist mehr als etwas bloß Aeußerliches. Sie gibt dem Geiste die besondere nationale Prägung. Nur in der Muttersprache kann das Zarteste und Tiefste unseres Wesens Ausdruck finden. Die jüdischen nationalen Minoritäten in Europa sollen an dem Orte, „wo sie ihre Geburt hiugestellt hat, ohne sich erst umzufärben, und ohne erst anderwärts unterkriechen zu müssen, (man achte auf die deursch-völkische Phraseologie!) im Dienste der Menschheit arbeiten". Also innerhalb der deutschen nationalen Kultur soll eine jüdische Minorität leben und schassen, die nicht mit ihr und für sie, sondern für die Menschheit arbeitet — ein realitätsloser Gedanke! * # Der jüdische Nationalismus will das Judentum erhalten. Seme Motive kann auch der Gegner als edel ansprechen. Auch der Gegner muß anerkennen, daß er bisher gegen Indifferenz und Feigheit Wertvolles geleistet hat. Auch wir Juden deutscher

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