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Im deutschen Reich · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1921) · p. 197

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1921)
Article
Betrachtungen zum jüdischen Nationalismus
Date
1921-07-01
Page
197 (sequence 5)
Language
German
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Betrachtungen zmn Wischen NaLionalismuZ 197 das nur verwendbar ist, wo es sich um Größen uaLurhafter Ordnung handelt. Einen Naturvorgang kann ich in Ursache und Wirkung auflösen, mit der Erwartung, daß mit gleichen Ursachen die gleichen Wirkungen eintreten. Für einen Geschichtsvorgang von so ungeheurer dynamischer Spannung versagt das kausale Schema. Die zionistische Auffassung, jüdische Nationalitätin Palästina bringt wieder jüdische Religion hervor, gleicht bedenklich der Renanschen Auffassung: Die Wüste ist die Ursache für die Entstehung des jüdischen Monotheismus. Aber selbst einmal zugegeben, diese kausale Auffassung bestände zu Rechts Die jüdische Nation in Palästina wäre die Ursache für das Erscheinen religiöser Genien gewesen, so ist damit in keiner Weise schon der zweite praktisch allein bedeutungsvolle Satz zulässig: Auch ein zweites Mal wird jüdische Nation in Palästina Religion hervorbringen. Denn das würde voraussetzen, daß wir auch in der Geschichte, wie in der Natur, mit den gleichen Voraussetzungen die gleichen Folgen erwarten können. In der Geschichte kehren aber niemals die gleichen Voraussetzungen wieder. Die abstrakte Form des Satzes: „Jüdische Nation in Palästina" täuscht über die Tatsache hinweg, daß einer jüdischen Nation unter ganz einzigartigen, niemals wiederkehrenden historischen Bedingungen die Bibel geschenkt worden ist. Ihr wollt die jüdische Nation in Palästina wieder Herstellen, auf daß wieder Propheten und Psalmisten in Israel entstehe?! — nun wohl, dann müßt ihr auch wieder durch Katastrophen hindurchgehen, wie sie in den Visionen eines Jesaja aufglühten, wie sie in den Gesängen eines Jeremia ein klagevolles Echo fanden, wie fie in den Psalmen das erschütterte Gemüt noch heute durchzittern. Als Erinnerungen leben diese Schicksale weiter in den heiligen Worten unserer Gebete. Aber die Erinnerungen an diese Schicksale waren es nicht, die Propheten und Psalmisten ins Leben riefen: Es waren die S ch i ck s a I e selb ft i Sie müßt ihr noch einmal wollen! Sie müßt ihr noch einmal auf euch nehmen, wenn anders ihr hoffen dürft, daß gotterfüllte Geister aus eurer Mitte hervorgehen werden. Was hat aber eine unter englischer Ordnung stehende jüdische Kolonie in Palästina, die im wesentlichen eine Heimstätte der Ruhe und Sicherheit für die verfolgten Ostjuden sein soll, mit dem jüdischen Volke gemeinsam, das jahrhundertelang, als Spielball der Weltmächte, dem Schwerte barbarischer Eroberer ausgeliefert war, das nach der Zevstörung seiner Städte seine Männer und Frauen, seine Jünglinge und Greise in die Gefangenschaft ziehen lassen mußte, das Sieg und Niederlage im Taumel schrecklicher Ereignisse durchlebt hat, und das, — o des Wunders, — in allen Heimsuchungen nur den einzigen ewigen Gott erlebte, das nicht nach Himmel und Erde fragte, wenn es nur ihn hatte, um seinen heiligen Namen zu verherrlichen. Wie weit ist das alles entfernt von dem „Anstreben einer modernen jüdischen Vollkultur in Palästina"! Gewiß unter dem

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