Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Article
- Das Ende palästinensischer Illustionspolitik
- Date
- 1921-05-01
- Page
- 178 (sequence 3)
- Language
- German
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178 Im deutschen Reich sonen in den konkreten Vorgang verwickelt sind, sondern maßgebend ist dabei, aus welchen allgemeinen Ursachen der Haß und die Blutsaat emporgewachsen sind. Diese Ursachen, die vor einem Jahre in Jerusalem verwandte Ereignisse zeitigten, sie haben auch hier wieder fortgewirkt, und sie werden weiter fortwirken, wenn nicht das Uebel mit der Wurzel ausgerottet wird. Ä- Jfc Ich möchte an Vorgänge erinnern, bei denen ich selbst beteiligt gewesen bin, und die in aller Klarheit zeigen, wie die neueste Entwicklung in Palästina auf eine Verschärfung der Gegensätze hindrangen mußte, und wie durch das Äußerachtlassen der primitivsten politischen Klugheit sich schließlich ein Haß zwischen Mohammedanern und Juden entzündete, der dann zu Explosionen geführt hat, wie sie sich in verderblicher Weise in Jerusalem und jetzt in Jaffa und in kleinerem Umfang an einer ganzen Reihe von Orten in Palästina abgespielt haben. Was habe ich selbst erlebt? Es war mir gelungen, die Gelder für den Bau des Technikums in Haifa durch die Opferwilligkeit einer Reihe von Glaubensgenossen in Rußland, in Deutschland, in den Vereinigten Staaten aufzubringen. Die Voraussetzungen waren damit gegeben. Ich hätte das nötige Terrain an einem wundervollen Platze oberhalb der Stadt Haifa auf einem Plateau der Vorberge des Karmel mit einzig-schönem Blick über das Meer erwerben können. Ich war in Haifa, um die Verträge mit den Bauarbeitern abzuschließen. Es war meine Wsicht, dieses Werk, das zur intellektuellen Entwicklung des Judentums in Palästina errichtet werden sollte, gleichzeitig zu benutzen, unr die Gegensätze zwischen Ehristen, Mohammedanern und Juden nach Möglichkeit auszugleichen; um allen drei Richtungen zum klaren Bewußtsein zu bringen, daß der gesunde Fortschritt für die einen auch der gesunde Fortschritt für die andern und ein Vorteil in jedem Sinne für alle sein würde. Nach meiner Absicht sollten neben den Juden auch Christen und Mohammedaner diese Lehrstätte besuchen können. Diese Lehrstätte, aus jüdischem Geld errichtet, sollte zwar in erster Reihe der jüdischen Jugend gewidmet sein; aber soweit Geld und Platz es zu- Reßen, sollten keineswegs Christen und Mohammedaner ausgeschlossen werden. Ich hätte eine solche Ausschließung für einen schweren, unverzeihlichen Fehler gehalten, und ich betone das jetzt, damit nicht dieser Fehler vielleicht in Zukunft, nachdem der Einfluß meiner Freunde und mein Einfluß auf das Technikum vollkommen verschwinden mußten, gleichwohl begangen wird. In jenen vergangenen Jahren vor dem Kriege handelte es sich in erster Reihe um die Frage, woher sollen die Arbeiter und die Unternehmer für den Bau des Technikums genommen werden? Jüdische Chauvinisten standen auf dem Standpunkt, daß an diesem jüdischen Technikum, das von jüdischem Geld errichtet wurde, nur jüdische Handwerker und Arbeiter und Werkleiter zu. beteiligen seien.