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Im deutschen Reich · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · p. 173

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Article
[Ohne Titel]
Date
1921-05-01
Page
173 (sequence 13)
Language
German
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Jüdische Rundschau 173 wesen bilden, mit betten man rechnen mich, so hätten die Vertreter der „christlichen Staatslehre" nicht gezögert, sie ans gleichem Fuße mit den christlichen Staatsangehörigen zu behandeln und hätten sich in ihrem christlichen Gewissen nicht im geringsten beengt gesuhlt. Sind nicht seit dem Ausgang des Mittelalters bis aus den heutigen Tag christliche Souveräne mit mohammedanischen, sogar mit heidnischen Bündnisse eingegangen auch gegen ihre eigenen Glaubensgenossen? Aber die Juden waren weltpolitisch eine gnantitä negligeable, und im Innern bildeten sie das bequemste Element für die Betätigung des. Unterdrückungs- und Mißhandlungsbedürfnisses, das allen Herrennaturen innewohnt. Die Konservativen, die vornehmlich die Grundherrenschicht repräsentierten, in der die alten Raubritter- und Bauernlegerinstinkte fortlebten, sträubten sich dagegen, den jüdischen Paria auf einmal als gleichberechtigten Bürger anzuerkennen. So kam es, daß die Emanzi p a t i o n der Juden von Anbeginn a n v o n de n Nichtkonserv a L i v e n befürwortet, von den K o n s e r v a t i v e u B e ^tt Frankreich kämpft wurde. Gleich in der Pariser Konstituante von 1789 waren die : Vertreter des dritten Standes und seine Wortführer Vorkämpfer der Judenemanzipation, die Vertreter des Adels und der Geistlichkeit deren heftigste Gegner. Diese wußten es mit allen offenen und heimlichen Mitteln zu hintertreiben, daß die Erklärung der Menschenrechte vom 27. August 1789 auch auf die Juden angewendet wurde, und so oft diese Frage auf die Tagesordnung gebracht wurde, fanden dieselben Gegner einen Ausweg, sie abzusetzen oder zu vertagen. Dagegen wurde die Sache der Juden von den Radikalen auch außerhalb der Konstituante, von der Pariser Kommune verfochten, in der sich immer mehr die extremoppositionellen Elemente konzentrierten. In den zwei Jahren, während deren der Kampf andauerte, der schließlich am 27. September 1791 mit dem Siege der Emanzipationsidee endete, mußte sich den Juden die Ueberzeugung aufdrängen, daß die Konservativen ihre geborenen Feinde und Gegner,, die Radikalen dagegen ihre natürlichen Verbündeten und Beschützer seien. Wie der Kampf in Preußen und Oesterreich verlief, darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Aber selbst in England, wo rat ganzen etwa 80 000 Juden wohnten (davon zwei Drittel in London), die bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts bei allem Fest- Zn England halten an ihrer Religion, in Sprache, Bildung und Manieren völlig anglisiert waren, in allen Zweigen des Handels und der Industrie eine wichtige, sogar führende Rolle spielten, von der vornehmsten Kaufmannschaft und selbst vom Geburtsadel gesellschaftlich als gleichberechtigt. anerkannt wurden — selbst in England dauerte es ganze drei Jahrzehnte (1828—1858), bis die volle Emanzipation der Juden Gesetz wurde. Und auch hier waren es die Konservativen — diese aufgeklärten, vorurteilslosen, weitherzigen englischen Konservativen! — die dem Gesetz alle möglichen Hindernisse in den Weg legten, während die Führer der Liberalen, Lord Holland, Lord Rüssel, Robert Grant, Macaulay und ein Mann wie Robert Owen, sie mit unbeugsamer Energie verteidigten. Im Jahre 1844 legte bereits der junge Disraeli in seinem Roman „Coningsby" den Tories die verfängliche Frage vor, weshalb sie sich den Disraelis Juden, ^dieser im innersten Wesen monarchischen, so Mahnunaan tief reltgtöfett und konservativen R a s s e", feindlich zeig- Konservatwen Len, ihren berechtigten Forderungen sich entgegenstellten und sie dadurch den Radikalen in die Arme trieben. Dabei handelte es sich um eine reine Formalität, denn die mittelalterlichen Gesetze über die persönlichen und gewerblichen Beschränkungen wurden von den englischen Richtern als. veraltet angesehen und schon im 18. Jahrhundert nicht mehr angewendet. An den städtischen Ehrenämtern als.Atdermann, Sheriff und Lord Mayor waren , einzelne Juden von der Bürgerschaft längst gewählt wor-

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