Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1921-05-01
- Page
- 170 (sequence 10)
- Language
- German
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170 Im deutschen Reich Teil führ enden Anteil an den Bewegungen genommen und zusammen mit ihren nichtjüdischen Mitkämpfern die oft grausame Vergeltung von . seiten der Reaktion ertragen. Da nämlich die Juden in dem vorangebilgangenen halben Jahrhundert immer mehr, auch ohne die bürgerliche und rrsLenPariLicn politische ^Gleichberechtigung erlangt zu haben, von der Macht! der Entwicklung in das Getriebe des bürgerlichen Lebens hineingezogen waren, so nähmen sie naturgemäß an adert feinen Erscheinungen neben ihren nichtjüdischen Mitbürgern Anteil, kämpften an ihrer Seite und teilten ihr Schicksal. Bei jeder anderen Menschengruppe wäre das als etwas Selbstverständliches empfunden worden, worüber man sich überhaupt nicht aufhält. Da es sich aber um Juden handelte, die man seit Jahrhunderten nur als duldende und verfolgte Sklaven sich vorstellen konnte, so , siel es auf, daß eine „so große Anzahl" von ihnen — vielleicht ein halbes Dutzend oder noch mehr — plötzlich in Sachen der Staatspolitik und der Gesetzgebung mitzureden sich erkühnte, und daß einZelne unter ihnen, von dem absoluten, oft sogar begeisterten Vertrauen der nichtjüdischen Mitbürger in die vordersten Reihen gedrängt, zu Führern erhoben wurden. Das machte unangenehmes Aufsehen und legte die Erklärung nahe, daß die ganze Sache von den Juden — allerdings unter Mitwirkung von Protestanten und Freimaurern — eingefädelt wurde und .ausschließlich jüdischen Zwecken dienen sollte. — Dieser Prozeß, nämlich die Hineinziehung der Juden in das allgemeine Getriebe des öffentlichen Lebens, hat im letzten halben' Jahrhundert natürlicherweise gewaltige Fortschritte gemacht, in den Ländern des Westens ist er fast restlos zum Abschluß gelangt, aber sogar in R u ß l a n b, wo die Juden bis zum Oktober I960 vollständig rechtlos waren, hatte sich seit Jahrzehnten aus wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete., dem Schneckengang der Rechtsentwicklung vorauseilend, die Emanzipation und Gleichstellung der Juden zu vollziehen begonnen und war beim Ausbruch des Weltkrieges nahezu vollendet; wäre damals die rechtliche Emanzipation ausgesprochen worden — das geschah erst durch das erste revolutionäre Kabinett des Fürsten Lurow und Kerenskis, nach dem Sturz des Zarismus — so wäre dadurch nur eine längst bestehende Tatsache äußerlich juristisch sanktioniert worden. Außerdem vollzog sich im Sozia!-Drffedieselbe Zeit innerhalb der Judeuheit Rußlands ein sozialer DifzwsiitmiQ, ferenzierungsprozeß., der in den westlichen Ländern gänzlich urttor den Juunbekannt blieb: infolge der wirtschaftlichen Entwicklung und der sortenrrr^utzrrnv ^^Eitenden Industrialisierung entstand ein sehr Zahlreiches jüdisches LohnproleLariaL, innerhalb der bis dahin ziemlich homogenen jüdischen Bevölkerung machten sich K l ass enun L et schi c.'b c geltend, das SchlagworL vom K l a s s e n k a m p f fand Anklang. Einerseits tauchte eine dünne Schicht von Intellektuellen ganz im russischen Geistesleben unter und zerriß alle Bande, die sie mit der Judenheit verknüpften; andererseits fanden sich große Massen des jüdischen Proletariats auf. der gleichen Plattform sozialer Interessen und Kämpfe wie das nichtjüdische Proletariat und unterlagen daher Einflüssen, die sie in vielen Beziehungen Weitab von der jüdischen Tradition und der jüdischen AnschauungZunb Empfindungsweise adlenkten. Es ist leicht erklärlich, daß durch die steigende Teilnahme der Juden am politischen Leben die Zahl der jüdischen Mitarbeiter und Führer a u ch unter den radikalen Parteien wachsen mußte. Obgleich nun die Juden überall auf dem Kontinent, in Mittelwie in Osteuropa, im großen ganzen zu den gemäßigten Parteien, den Liberalen und Demokraten, gehören, so bewirkt die Anwesenheit von Optische Juden in den radikalen Parteien, trotzdem ihre Anzahl nicht größer, Täuschung sondern eher kleiner ist, als der Natur der Dings entsprechen würde, die optische Täuschung, daß die Juden ausschließlich dem Radikalismus