Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1921-05-01
- Page
- 168 (sequence 8)
- Language
- German
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168 3ra deutschen Reich DieJrrdenvon der Bodenverteilung ausgeschlossen. Widerstand der Bauern Unteraangdes jüdischen Handels und Handwerks in Sowjet-Rußland hier aus den jetzt irrt Wortlaute vorliegenden Reden mitgeteilt werden: Delegierter K i w i n , vom sozialdemokratischen Flügel, sagte ti. a.r „Das ökonomische Leben der jüdischen Massen in Rußland, der j ü d i f ch e. Handel und das jüdische Handwerk sind ruiniert. Die jüdischen Massen haben. ihre früheren wirtschaftlichen Funktionen eingebüßt, die jüdischen Arbeiter haben ihre Arbeitsplätze verloren. Das Gesetz betreffend die Arbeitspflicht der Arbeitslosen ist für die Juden ein ausgesprochener Gewaltakt, weil ja jeder, der in keiner Fabrik oder Sowjetanstalt beschäftigt ist, als „arbeitslos" gilt; bei den Juden sind dies 80 oder 90 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Ausführung dieses Gesetzes verwandelt die Mehrheit der Juden in „schwarze Arbeiter". In W i t e b s k z. B. sind laut einer Berechnung des Kommissars für Zwangsarbeiten 68 Prozent aller Zwangsarbeiter Inden. D a s E i n - dringen der Juden ins Dorf und die Beschäftigung uttf Landarbeit ist den Juden fast unmöglich. Der Boden ist unter die Bauern aufaeteilt, und es gibt keinen freien Boden mehr. Dazu kommt noch der Antisemitismus der Bauern, besonders in der Ukraine. Das Dorf sieht im Juden die Verkörperung der Stadt, der es mit Haß gege nü b e rste h t. Alle Versuche, die Juden in der Landwirtschaft zu beschäftigen, brachten keinen Erfolg. Während der hungernde russische Arbeiter aus der Stadt auf das Land emigriert und dort Arbeitsgelegenheit findet, wandert der Jude unter Gefahr von Pogromen und Brotlosigkeit aus dem kleinen Provinzneft in die Großstadt, wo er gezwungen ist, vom Handwerk zum Handel und zur Spekulation überzugehen. Durch die ^schwarze" Zwangsarbeit und die mittelbar erzwungene Spekulation wird das wirtschaftliche Leben der Juden einfach ruiniert. Die Emigrationsnot ist unbeschreiblich, das jüdische Arbeitsproblem ist in Rußland eine brennende Aktuellität geworden." C h a s ch i n vom kommunistischen Flügel der Poale-Zion sagte: „Die jüdische Bevölkerung ist in ihrer Mehrheit städtisch, und darum kann die wirtschaftliche Frage der Juden in Rußland nicht gelöst werden, weil die ganze städtische Bevölkerung in furchtbarster Not lebt. Der Plan aber, die Juden aufs Land überzusühren„ ist. absurd, ist eine Utopie. Die Sowjetregierung beherrscht das Dorf noch nicht. (Es ist aber klar, daß sie es niemals beherrschen wird. Die Redaktion.) Das Dorf ist die Wüste des Privateigentums, die Sahara rings um die Städte herum, welche kommunistische Oasen bilden. Die kommunistische Regierung selber würde es auch nicht wünschen, daß die Juden in die Dörfer eindringen, weil dies die Bauernschaft noch mehr verhetzen würde ... Es ist vorläufig unmöglich, die jüdische Wirtschaft in Rußland aus eine höhere Stufe zu bringen. Die Zwangsarbeit ist die unproduktivste, die nutzloseste. Man schleppt die Leute massenhaft zur Arbeit, ohne Plan, ohne Notwendigkeit. Die Mehrheit des jüdischen Volkes aber ist arbeitslos und zur „schwarzen" Arbeit verurteil t." Angesichts dieses ungeheuerlichen, unvergleichlichen, in der ganzen jüdischen Geschichte noch nie dagewesenen Zusammenbruchs in wirtschaftlicher, kultureller und religiöser Beziehung erhebt sich zunächst die Frage: „Was tun?" . . . Darauf lautet die kürzeste Antwort: Die Gesamtjudenheit der Welt muß alle ihre verfügbaren Kräfte und Mittel anspannen, um so rasch und ausgiebig wie möglich zuforderst der unmittelbaren Not abzuhelfen und dann den Wiederausbau, so gut das überhaupt möglich sein wird, in Angriff zu nehmen. Alle anderen Ziele sind dagegen vorderhand Luxus und