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Im deutschen Reich · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · p. 167

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Article
[Ohne Titel]
Date
1921-05-01
Page
167 (sequence 7)
Language
German
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67 Jüdische Rundschau bedeutend au durch die berüchtigten „Evakuierungen" im Anfiedlungsrayon wahrend des Krieges, ferner nach der ersten Revolution, März 1917, die den Juden das Wohnrecht in ganz Rußland gewährte. Man schätzt die Zahl der Juden im jetzigen Sowjet-Rußland auf etwa 400000 bis 500 000, unter einer Bevölkerung von hundertzwanzi g M i l l i o n e n Seelen. Die größte jüdische Gemeinde besteht in Moskau. Da das ganze Unterrichtswesen „sozialisiert" ist, und der Staat für religiöse und kultliche Zwecke nicht aufkommt, so haben die Juden für ihre spezifisch-jüdischen geistigen Bedürfnisse selber gesorgt. Die Regierung ließ sie gewähren, aber es besteht leider ein besonderes „jüdisches Kommissariat" für die jüdischen Angelegenh eitert, das Trotz kr mit „Juden" seiner Gattung besetzt hat. Die Juden gründeten einen Schülverein „Tharöuth", der mehrere hebräische unh Religionsschulen eröffnete, aber diese wurdeuj vom; „jüdischen Kommissariat" geschlossen. Am letzten Jom Kippur wurde das Lokal der „Tharöuth" von der Polizei überfallen, die zum Gottesdienst anwesenden Mitglieder sämtlich verhaftet. Trotzdem unterhalt der Verein in Moskau etwa dreißig hebräische Schulen, in denen, gegen 360 jüdische Kruder in Bibel, Religion und jüdischer Geschichte unterrichtet warben. Diese Schulen sind heimlich, befinden sich in den entlegensten Wirckeln der Stadt, in den Behausungen irgendeines armen russischen Muschik. Lehrer und Schüler schleichen sich, wie einst die Mar an neu, im Verborgenen hm. Die Lehrer ertragen geduldig Hunger, Not und Kälte und leben in steter Augst; denn wenn die bolschewistische Ochrana des „jüdischen Kommissariats" ihnen auf die Spur kommt, erwartetsie im gelinheften Falle eine Strafe von mehrmonatigem Gefängnis. Unter ähnlichen schwierigen Verhältnissen wirkt die jüdische Gemeinde in Moskau, itc auch für die leiblichen Bedürfnisse vieler ihrer Mitglieder zu sorgen, hat. Es wurde eine ganze Anzahl von Volksküche gegründet, in denen viele ehemals reiche Leute jetzt sich zu beköstigen genötigt sind. Es muß betont werden, daß die Regierung als solche sich den jüdischen Institutionen gegenüber neutral verhält und sie auf gleicher Stufe mit den christlichen behandelt. Verfolgt werden die jüdischen I n ft i t u t i o n c rt nur v o u dem unter Trotzt is Komm anbo st ehenden „jüdischen Kommissarin t", welches allen jüdischen Dingen eine besondere Gehässigkeit erttgegenbringt und das Judentum mit der Wurzel a u s r o t t e n möchte. So wurde der hebräischen Bühne auf Betreiben dieses Kommissariats die Regierungs- Unterstützung entzogen, obwohl sich die ersten Künstler Rußlands, wie Stanislawski, Schaljapin, Wartagow für sie verwendeten und den hohen künstlerischen Wert ihrer Leistungen betonten. Der Haß dieser Weltverbesserer gegen das Hebräische, als der jüdischen Gebersprache, geht soweit, daß es unter Androhung schwerster Strafen verboten wurde, die zahlreichen hebräischen Ausdrücke in jiddischen Zeitungen und Büchern. nach der hebräischen Orthographie zu schreiben; nach der Phonetik des Jiddischen gedruckt, sind diese Ausdrücke bis zur Lächerlichkeit und Unkenntlichkeit entstellt. Den blinkenden Knopf des jüdischen Volkskommissars fürchten die Juden in Sowjet-Rußland noch mehr, als ehemals den des zarischen Tschinowmk. Und „Juden" dieser Art sind es, für deren Bolschewismus Hunderttausende der von ihnen verleugneten und verfolgten Glaubensgenossen Marterqualen auZzustehen haben! Auf der im Sommer 1920 in Wien abgehaltenen poale-zionistischen Weltkouferenz erstatteten einige russische Redner Bericht über die Wirkung der bolschewistischen Sozialisierungen auf die w i r t s ch a f 11t ch c Lage her jüdische n M affe lt; einiges möge

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