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Im deutschen Reich · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · p. 166

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Article
[Ohne Titel]
Date
1921-05-01
Page
166 (sequence 6)
Language
German
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163 Odessa selbst schließen. Vor mir liegen zwei Berichte aus Odessa von voriger Woche, die beide fast gleichlauten. Mährend der letzten sechs Monate wurden in Odessa über viertausend Erschossene gezählt. Die Bevölkerung ist völlig verarmt, die Leute gehen barfuß und in Lumpen gekleidet herum. Es" gibt kein Licht, kein Wasser., kein Heizmaterial. Ein Pfund Holz kostet '300 Rubel. Nachbarfamilien in einem Hofe schließen sich zusammen, um ein Pfund Holz zu erwerben. Es wird in einem einzigen Ofen geheizt, an dem sich 80 bis 40 Personen wärmen. Ein Pfund Brot kostet 1600 bis 1200 Rubel. Fleisch ist überhaupt nicht vorhanden. Die Gefängnisse von Kamenetz und Proskurow sind überfüllt, die Häftlinge sind fast ausschließlich Juden, die ihre Petlura- Freundlichkeit zu büßen haben. Die Flucht der Juden nimmt ungeheure Dimensionen an. In Ostgalizien allein besinden sich 40 000 jüdische Flüchtlings aus der Ukraine .... Die jüdische Bevölkerung zerfällt in drei Kategorien: ein winziger Bruchteil sind Kommissare und rote Armeeleute, einen riesigen Prozentsatz bildet oie mobilisierte Bourgeoisie, b h. Bürgerliche, die man zwangsweise in die Armee steckt oder zur Kriegsarbeit nötigt, der Rest besteht aus Deserteuren und Flüchtlingen." Am 21. Januar schreibt derselbe Verichterstatter: „Soeben komme ich von einer Rundreise durch die Läger der jüdisch-ukrainischen Flüchtlinge.... Der Strom der Flüchtlinge schwillt täglich an.... Die Ursachen der Massenflucht sind der furchtbare Terror und der wirtschaftliche Druck seitens der Bolschewisten. Alle Kerker und Festungen sind überfüllt, zum größten Teil mit Juden, die der Spekulation beschuldigt werden. Dort, wo die Spekulation fast ganz aufgehört Borlchewifiischs hatte, wurde sie von den Tscherswytschafkas (bolschewistischen Blutgerichten) absichtlich provoziert, da sie ja nicht ohne „Arbeit" bleiben Juden wollten. In Kiew z. B. war vom Dalutahandel keine Spur mehr, als die Tscherswytschajka auf den Einfall kam, den Valutahändlern nahezulegen, den Handel wieder aufzunehmen unter der Bedingung, daß die „Behörde" allwöchentlich ihren Anteil ausbezahlt erhalte. In Kamenetz wurden am 17. Januar 16 Personen erschossen, darunter 10 Juden. In der Nacht kamen Agenten der Tscherswvtschajka zu den Familien der Erschossenen und forderten „nach alter Sitte" deren Kleider. Betten und Bettzeug. . . . Als Tags darauf eine Deputation der. Bevölkerung beim Vorsitzenden des Blutgerichtes vorsprach und ihm bewies, daß der größte Teil der Hingerichteten unschuldige Ovier waren, antwortete er: „Das ist möglich. Wo -Arbeit*' geleistet wird, müssen auch Jrrtümer Vorkommen. Ich kann Ihnen nur versprechen: die folgende Liste der Erschossenen wird eine anständigere sein".... Ausgesprochen feindlich gestaltete sich die Politik der Bolschewisten den Juden gegenüber im letzten Halbjahre, schreibt der Verfasser. „Angeblich will man nichts anderes, als die Spekulation bekämpfen, in Wirklichkeit hat man es bloß auf die Juden abgesehen." „Die Erschießungen unter dem Titel Kampf gegen die Spekulation^," erklärte das Mitglied des jüdischen Gemeindevorstandes, Professor K u I i s ch e r, „erreichten in der letzten Zeit eine furchtbar hohe Zahl, wobei immer in erster Linie Juden erschossen wurden." „Die Tscherswytschajkas arbeiten nach allen Richtungen hin, man plündert unaufhörlich. Es herrscht eine verzweifelte Stimmung." Ueber das Verhältnis der sogen. „Juden" im Bolschewismus zum jüdischen religiösen und geistigen Leben liegen zahlreiche Berichte in jiddischen und hebräischen Zeitungen vor, aus denen einige wenige Tatsachen hier mitgeteilt werden mögen: Vor dem Kriege wohnten Vernichtung»- in den inneren Gouvernements, die das heutige Sowjet-Rußlands bilden, ^aeaen^das^ etwa zweihunderttausend Juden, „Privilegierte", die den gebildetsten Judentum und wohlhabendsten Standen cmgehörten. Die Zahl der Juden wuchs

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