Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1921-05-01
- Page
- 165 (sequence 5)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 365 der Juden in der Ukrainischen VolkscepubUt erlassen, und am 26, desselben Monats wurde der erste Pogrom nach neuem Ritus abgehalten, und zwar in dem Städtchen O w rutsch. Der ukrainische Ataman ließ den greisen Rabbiner des Städtchens wie einen Sträfling zu sich schleppen und erklärte ihm kurz und bündig folgendes: „Ich weiß, du bist ein Bolschewist, deine Verwandten sind Bolschewisten/- alle Juden sind Bolschewisten. Ich werde euch alle ausrotten. Versammle deine Juden in die Synagoge und verkündige ihnen das in meinem Namen/" Und die Verwirklichung dieser Verheißung ließ nicht. lange auf sich warten. Mit Recht bemerkt Chasanowitsch: „Es wollte lange Zeit nicht einleuchten, daß eine Regierung, die die Rechte der Juden als Nation anerkennt, ihre physische Existenz als Menschen nicht garantiert. Deswegen traute man in der jüdischen Welt lange Zeit den ersten spärlichen auf Umwegen gekommenen Nachrichten über die ukrainischen Metzeleien nicht." Am 15. Februar 1919, einem Sabbat, veranstalteten die P e t l u r a - Truvpen in Proskurow einen Riesenpogrom grausamster Art; an einem Tage wurden 1650 Opfer hingeschlachtet. Kurz darauf wurde die Stadt von den Bolschewisten genommen. Die Juden beschlossen, einen Selbstschutz auszustellen, um die 'Wiederholung eines Pogroms zu verhüten. Dazu bedurften sie der Einwilligung von seiten der bolschewistischen Behörden. Ür. Goldelmann erzählt hierüber folgendes: „Die Bolschewisten erteilten allerdings die Erlaubnis, doch nur unter der Bedingung, daß die gesonderten jüdischen Abteilungen, obgleich lediglich zum Selbstschutz der jüdischen Bevölkerung bestimmt, als Bestandteile der roten Armee geführt werden sollten. Die jüdische Jugend trat massenhaft freiwillig in diese Abteilungen ein. Wer einmal der roten Armee ungegliedert, hatten diese Freiwilligen-Wteilungen kein freies Selbstbestimmungsrecht mehr. Diese geschlossenen jüdischen Abteilungen haben sich tapferer als die übrigen Kameraden geschlagen. Diesen Umstand nutzten die Bolschewisten aus, um die Wischen Heeresgruppen an die gefahrvollsten Frontabschnitte zu werfen, wodurch die ukrainischen Kosaken zum wütenden Zorn gegen die Juden überhaupt ausgestachelt würden." Welch eine Tragik! Zuerst machen die Kosaken ein grauenvolles Blutbad; um sich vor dessen Wiederholung zu schützen, organisieren die Juden einen Selbstschutz, aber dessen bemächtigen sich die Bolschewisten die inzwischen Herren im Lande geworden sind, mißbrauchen ihn gewaltsam für ihre Zwecke und stacheln dadurch den Haß und die Wut der ukrainischen Kosaken nur noch mehr auf, die sich in neuen Pogromen Lust machen werden. . . . Aber inzwischen ruhen die Bolschewisten nicht. Ihnen sind die Juden der Petlura-Freundlichkeit schuldig und müssen dafür blutig gezüchtigt werden. Der Verfasser zitiert einen Bericht vom 4. Januar 3921, in welchem der Obmann der poale-zionistischen Organisation von Käme netz, zugleich Mitglied der Stadtverwaltung, des jüdischen Gemeindevorstandes, Präsidialmitglied des amerikanischen Joint Distribution Committee, der einige der großen und kleinen Pogrome angiöt, die die Bolschewisten gegen die Juden wegen ihrer „Pelluraphilie" veranstalteten: -in M o h i l u s dauerte der Pogrom 2 Tage, in Kamenetz 3 Tage. Lanzkoron wurde gründlich ausgeplündert, auch in der Barer Gegend sind große Schäden zu verzeichnen. „Gegenwärtig geht eine regelmäßige Pauperisierung der jüdischen Bevölkerung in der ganzen Gegend von Kamenetz und Proskurow vor sich. Die Kommissare und verantwortlichen Macher wurden aus Charkow und die außerordentlichen Blutgerichte gegen die Konterrevolutionäre, die sog. Tscherswytschajkas, wurden aus Odessa entsendet. Auf welche Weise diese die Juden von der Sünde der Petluraphilie zu säubern gedenken, können Sie aus ihrem Vorgehen in Der jüdische Selbstschutz vonProfkurors Vernichtung des jüdischen Wirtschaftslebens durch die Volsche» wisten