Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1921-05-01
- Page
- 163 (sequence 3)
- Language
- German
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163 Jüdische Rundschau (neruugeu tum Westeuropa und von Amerika leicht bewerkstelligen können, nämlich die volle Wahrheit festzustellen und das Schlachtmesser der Hand des Würgeengels zu entreißen, hätten diese Regierungen nur den ernsten Willen dazu gehabt. In W i r 11 i 6) l c i t aber rührten, sie feinen Finger, als man ihnen die furchtbaren Leiden der Juden in der ukrainischen Hölle bekanntgab. . . . Der volle Umfang der Pogrome und der Blutbäder, die den Juden in der Ukraine bereitet wurden, ist bis auf den heutigen Tag nicht bekannt. Erst wenn einmal in ruhiger Zeit die Verkehrs- und Untersuchungsfreiheit wiederhergesteNt ist, wird es möglich werden, die Materialien zu sammeln und die Zeugen zu verhören, die die schrecklichen Zeiten überlebt haben, erst dann wird es möglich sein, die Summe der Verluste an Menschen und an Gütern, an materiellen und an geistigen Werten. einigermaßen annähernd festzustellen. . . . Alle, welche die Geschehnisse, wenn auch nur bruchstückweise, kennen, versichern übereinstimmend, daß die ukrainischen Pogrome in einer Reihe stehen mit den Armeniermetzeleien in der Türkei und den IudenschlächLereien in der Zeit der Kosakenaufstände unter Ehmielnitzki (1648—54). . . . Von diesen letzteren unterscheiden sie sich -indessen dadurch, daß zu jener Zeit die Juden ihr Leben oft teuer verkauften. Sie kämpften vielfach Schulter an Schulter mit den Polen und fielen, mit der Waffe in der Hand. Außerdem hätten sie ihr Leben durch die Taufe retten können, so daß ihr Tod die tragische Größe eines freiwilligen Opfers für Kid dusch Hasche m hatte. Diese Momente fehlen bei den jetzigen Schlächtereien. . . . Die Juden haben jetzt keinerlei Möglichkeit, ihr Leben zu verteidigen; sie fallen als wehrlose Opfer der aufgehetzten Instinkte entmenschter Bestien. Man stellt sie nicht vor die Wahl, durch Verleugnung ihrer Religion das Leben zu retten, ihre Todesqualen werden also nicht gemildert durch das erhebende Bewußtsein, welches -ihre Vorfahren be- Selte, daß sie ihr Leben für das Heiligtum ihres Herzens hergaben. ..." r. G o l d e! m a n n sucht die Psychologie dieser Pogrome zu erklären: „Man muß berücksichtige!!, mit was für einem Menschenmaterial wir es hier zu tun haben . . . und die Erziehung, die der ukrainische Bauerunter dem Regime des russischen Zarismus genoß. Wir erinnern uns noch, daß die Agenten der ^Mmchen Regierung, ..Schmarren Hunderte", die wütendste Pogromagitation gerade im ukrainischen Dorfe und insbesondere in hm Gouvernements von Wolhynien, Podolien und Kiew Letrieben. Das Ziel dieser Agitation war natürlich, die Wut der unter- ErZichung drü-ckten Bauern von den Unterdrückern, den Großgrundbesitzern und Be- Zürn Pogrom amten, abzulenken und gegen den wehrlosen Provinzjuden austobeu zu lassen, der der ewige Sündenöock war. Als Agitationsmotiv war damals der „jüdische Revolutionär" ebenso beliebt wie heute der „jüdische" Bolschewik. Im zarischen Rußland war der ukrainische Bauer überhaupt das reaktionärste und geistig Zurückgebliebenste Element im ganzen Reiche. Das war ein Ergebnis der antiukrcnnischen Politik der zarischen Regierung, die verbot, Unterricht in der ukrainischen Sprache zu erteilen, ukrainische Bücher und Zeitungen zu drucken, die nationale ukrainische jJntelligenz unaufhörlich verfolgte und das ganze Volk den Pfaffen der „Schwarzen Hunderte" und den „echtrussischen Leuten" auslieserte. . . . Derselbe Bauer, der jetzt in der ukrainischen Armee kämpft, hat erst vor kurzem den Weltkrieg mitgemacht, hat in den Schützengräben an der West- und Südwestfront gelegen, wo die Lime die dicht mit Juden bevölkerten Städtchen durchschnitt. In der russischen Armee konnte er ungestört die unaufhörliche antisemitische Agitation auf sich wirken lassen, die mit den ewigen Märchen arbeitete, von dem Golde, daß die Juden in Särgen zu den Deutschen hinüverschmuggelten, von den mit Brillanten