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Im deutschen Reich · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · p. 162

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Article
[Ohne Titel]
Date
1921-05-01
Page
162 (sequence 2)
Language
German
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162 Im deutsch???, Reich angesehen werden dürfen. Die ukrainische Regierung — man weiß bloß nicht, wo sie residiert — hat eine llr!undenfammlung über die „Lage der Juden hr der Ukraine" herausgegeöen, in der zunächst alle Gesetze und Verordnungen ausgezählt sind, die den Inden die berühmte „nationale Autonomie" gaben, dann eine Reihe von Erlassen verschiedener Minister und Behörden gegen die Pogrome, schließlich Aussagen und Zeugnisse von Persönlichkeiten in — London, die bezeugen, daß die Ukrainer den Juden sehr wohlgesinnt seien und daß darum die ukrainische Nationalbewegung die Sympathie und Unterstützung sämtlicher Juden der Welt verdiene. Einer der vier oder-fünf „Minister für jüdische Angelegenheiten", die in der XiErahte während der letzten paar Jahre nacheinander fungiert haben, Br. Salomo n (3 o fb e I m a n it, der im Sommer 16Z0 nach Wien flüchten mußte, veröffentlicht in ukrainischer Sprache „Briefe eines jüdischen Sozialdemokraten über die Ukraine", sodann über das Verhältnis der jüdischen Arbeiter zum Bolschewismus, schließlich in jüdischer Sprache eine Broschüre unter dem bezeichnenden Titel: „I m Golus bei den U r r a i n e r n". Die Berichte der p o l n i f ch e n Queller? sind, auch wenn sie von Augenzeuge?? herrühren, entschieden ins Düstere überfürbt, die Polen haben nämlich ein Interesse daran, durch die ukrainischen Pogrome ihre eigenen Schandtaten vergessen zu machen. „Was habt ihr Juden für einen Lärm erhoben wegen der paar Pogrömchen in, Lemberg und in den andern Städten und Städtchen Polens? Das war ja alles ein reirres Kinderspiel im Vergleiche mit deur, was seit drei Jahren in der Ukraine geschieht", das steht zwischen den Zeilen in jedem polnischen Bericht geschrieben. Br. Leon Chasanowitsch, einer der Führer der sozialdemokratisch orientierten. Poale- Zionisten, hat in seiner hier bereits flüchtig erwähnten Schrift „Der jüdische C h urü an in der U! r at ne"1) eine große Anzahl von Urkunden veröffentlicht, die ein düsteres Licht auf die Vorgänge werfen. „Diese Dokumente bedürfen keiner Kommentar^" sagte der Verfasser. „Sie schildern einen Teil der, Qualen und Peinigungen, die die ukrainischen Juden in dem großen Jahre 1919 ausgestanden haben, in derselben Zeit, als uns verheißen wurde, daß die bisherige Geschichtsepoche mit ihrer endlosen Kette von Gewalttaten zu Ende gegangen sei, und eine neue Zeit voller Gerechtigkeit und Milde anhebt; da alle hohen Götter des Olymp in Pari s und Versailles versammelt wäre?? und mit vollen Händen nach allen Seiten Recht austeilten, unterdrückte?? Völkern die Fesseln abnahmen, die schwachen unb verfolgten aufrichteten, auf die Sünder aber ihre Donnerkeulen niedersause?? ließen. Um dieselbe Zeit geschah es, daß nicht etwa hinter den finsteren Bergen, in h\c Entente einem versteckten Erdenwinkel,, sondern mitten, in Europa, in einen? Lande, wohin der Arm der Weltbeherrscher von Paris und London sehr nahe heranreicht — ein Orkan von Mordlust und Blutgier über den Köpfen von Millionen wehrloser Angehöriger eines gewisse!? Volkes tobte; da wurden Zehntausende und aber Zehntausende von ihnen wie Schlachtvieh hingemordet, Hunderttausende mußten unmenschliche Marterqualen ausstehen, die nur die Feder eines Dante zu schildern vermöchte. Dieses Buch der neuen jüdische?? Martyriologie in der neuen Ukraine bildet ein Denkmal der größten Schuld, Europas, welches all dem ruhig zusah und es mit kaltem Herze?? geschehen ließ. ... Die Schuld der heutigen Weltbeherrscher wird nicht gemildert durch den Umstand, daß die Gewalthaber in der Ukraine Lange Monate hindurch es verstände?? habe??, vor der Welt die Wahrheit über die Judenmetzeleien zu verbergen. Was für Privatpersone?? unmöglich war, das hätten die Ne- *) Vergleiche das Fror verhaft S. 63.

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