Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Article
- Zur Kritik völkischer Urteilskraft
- Date
- 1921-05-01
- Page
- 158 (sequence 4)
- Language
- German
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158 Im deutschen Reich grub; sie verschwieg weiter, daß der jüdische Mädchen- Händler der fürchterlichste Ausbeuter aller menschlichen Laster ist, und daß der Mädchenhandel überhaupt fast ausschließlich in den Händen jüdischer Goldkönige ruht." Es heißt dann weiter: „Es handelt sich in dem Vorträge von Fräulein Dr. Herzfeld offensichtlich um eine Herausforderung, bestätigt unter Schutz und Weihe eines deutschen Gotteshauses... Wir erklären es für eine Schmach und Schande, daß ein deutscher Pfarrer kein Empfinden dafür hat, wie durch eine derartige jüdische Taktlosigkeit das deutsche Gotteshaus entweiht wird. Einem Pfarrer, der sich solcher Würdelosigkeit schuldig macht, muß für alle Zeiten die Befähigung abgesprochen werden, je wieder vor deutschen Frauen und Männern eine christliche Kanzel zu betreten." Also: Offensichtliche Herausforderung, jüdisch e Taktlosigkeit, und d a s a l l e s von einer P e r s o n, von der die Protestierenden schon längst erfahren hatten, daß sie ihrer eigenen Religion a n g e h ö r t e. Am 20. Januar 1621 (Nummer 30) teilte die „Deutsche Zeitung" mit, daß sie nach wie vor eine „Flut von Briefen" erhalte, die für und gegen Fr!. Dr. Herzfeld Partei nähmen. Sie teilte dann ihren Lesern eine Zuschrift des Privatdozenten Kittel- Leipzig, Direktors des christlichen B o l k s d i e n st e s i n Leipzig, mit, der mitteilt, daß Fr!. Dr. Herzseld ibm persönlich bekannt und die Tochter christlich geborener Eltern, i u e i n e r S ch u l e b e r Herrenhut er Brüdergemeinde erzogen und seit ihrer Studienzeit Mitglied der „Deutschen ch r i st! i ch e n B e r e i n i g u n g studierender Frauen" sei. Er erklärt, daß alle, die sie kennen, der Meinung seien, daß selten jemand mit gleicher Ruhe, Reinheit und Besonnenheit wie sie diese heiklen Gegenstände zu berwndeln verstanden habe. Von einer anderen Seite erfährt die „Deutsche Zeitung", daß allerdings der Urgroßvater von Frl. Dr. Herzfeld Jude gewesen sei. Das Blatt spricht dann die Hoffnung aus, daß es über die Streitfrage betreffend des Frl. Dr. Herzfeld sich demnächst abschließend äußern könne. Dann e i n l a n g e s Schweigen der Zeitung und dann die abschließende Aeußerung — ein Rückzug auf der ganzen Lime. Am 27. Februar 1921 trat der Hauptschriftleiter des Blattes, Herr Dr. Max Maurenbrecher, in einem langen Aussatz auf den Plan „W arinnig vor 11 e ber eif er Der wahre Sachv erh alt im F a ll e H erzfeld." Der Aufsatzist so ziemlich das Lehrreichste, was über die ganze antisemitische Bewegung und ihre Psychologie geschrieben ist, und es ist für jedermann, der mit der Bekämpfung antisemitischer Vorurteile zu tun hat, von großem Wert, sich nunmehr auf X)r. Maiurenbrecher als Kronzeugen dafür berufen zu