Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Article
- Zur Kritik völkischer Urteilskraft
- Date
- 1921-05-01
- Page
- 157 (sequence 3)
- Language
- German
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Zur Kritik völkischer Urteilskraft 157 kampf der deutschen Frauen- und Mädchenwelt zeugten von tiefem sozialen Verständnis und zeigten den Kämpferinnen die Quelle der Kraft zum Sieg in Jesus, dem gekreuzigten und auferstandenen Heiland. In demselben Sinne sprach der Unterzeichnete und Frau Pastor Blecher-Friedrichshagen, die Vorsitzende des Deutschen Frauenbundes für sittliche Reinheit. Es war sehr bedauerlich, daß einige fanatische Antisemiten in und vor der Kirche durch lärmende Demonstrationen diese Frauenversammlung zu stören versuchten, weil sie annahmen, daß die erste Rednerin eine Jüdin sei. Sie ließen sich auch, als ihnen ihr Irrtum nachgewiesen wurde, nicht belehren, sondern lärmten weiter. Daß auf diese Weise der deutschen Sache schlecht gedient wird, ist klar." Auch die „Deutsche Zeitung" ließ sich, als ihr ihr Irrtum nachgewiesen wurde, nicht sogleich belehren. Die Zugehörigkeit des Frl. Dr. Herzfeld zur christlichen Religion genügte ihr nicht. „Herr Pastor Holzel erklärt, Frl. Or. Herzfeld sei keine Jüdin, sondern Christin. Mit Verlaub: Darauf kommt esnichtan. Denn wir fragen nicht nachdem religiösen Bekenntnis, sondern nur nach der Rasse-; zugehörig! eit. Also nicht: Jüdin oder Christin? — Jüdin oder Deutsche?, das ist die Frage. Und da erscheint es uns als eine Herausforderung, wenn man über die Sittlichkeit der deutschen Frau ein junges Mädchen sprechen läßt, von dessen Deutschgeboren sein der Augenschein nichtjeden überzeug t." Was hier die „Deutsche Zeitung" sagt, ist, nebenbei bemerkt, sehr lehrreich für diejenigen Juden, die da glauben, wenn sie ihre Kinder dem Judentum entfremden und dem Christentum zusühren, ihnen damit den Kampf um das Dasein erleichtern zu können. Ganz abgesehen von der Würdelosigkeit, die darin liegt, nicht nach religiöser Ueberzeugung, sondern nach praktischen Erwägungen das Bekenntnis zu wählen, zeigt nicht nur dieser Fall, sondern es zeigen es noch viele andere, daß diese praktischen Erwägungen nicht einmal richtig sind. Am 14. Januar 1921 brachte dann die „Deutsche Zeitung" einen von Jürgen v. Ramin, Karl Funk und Dr. Alfred Falb Unterzeichneten flammenden Aufruf „An die deutschen Frauen!" Es wurde dagegen protestiert, daß ein Frl. Dr. Herzseld jüdischer Herkunft (der Umstand, daß die Dame Christin war, spielte also augenscheinlich gar keine Rolle) einen derartigen Vortrag habe halten können. Der Vortrag sei derart gewesen, daß die deutschen Frauen entrüstet Einspruch dagegen erhoben hätten. Frl. Dr. Herzseld habe als Jüdin die Anmaßung besessen, von der Kanzel herab in pharisäischer Weise der deutschen Frauenwelt sittliche Verworfenheit vorzuwersen. „Sie verschwieg, daß jüdische Sittenlosigkeit im Presse-, Film- und Bühnenwesen jahrelang die öffentliche Moral eines durch Krieg und Hungersnot zermürbten Volkes planmäßig unter-