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Im deutschen Reich · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · p. 156

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Article
Zur Kritik völkischer Urteilskraft
Date
1921-05-01
Page
156 (sequence 2)
Language
German
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156 Im deutschen Reich merkten, daß „Iüben ultb Iudengenossen" ohne weiteres ein trete ix dursten, seien aber selbst vom Leiter des Abends, Pfarrer Holzel, barsch hinausgewiesen worden, und als sie nicht weichen wollten, habe man sie durch die Sipo entfernt. „Darauf bestieg die etwa 26jährige Jüdin, die angeblich g et a u f t ift, die Kanzel, um von die - ser geweihten Stätte die zahlreich anwesenden deutschen Frauen und M ä d ch e n m i t Schmähreden zu überschütten, in denen Bezeichnungen, wie „dirnenhafte Schamlosigkeit" usw. ständig wiederkehrten. Die energischen Protestrufe wurden seitens des Versammlungsleiters unter Hinweis auf die Heiligkeit des Ortes unterdrückt; auf den Einwand, daß solche entwürdigenden Reden auch nicht geduldet werden dürften, wurde erklärt, der Raum sei eben als Versammlungsraum vermietet. So konnte die Rednerin in ihren Schm äh reden fortfahren, draußen vor der Tür aber stimmten die abgewiesenen Männer das Lied „Deutschland, Deutschland über allles" an, und das fiel der Rednerin derart auf die Nerven, daß sie in Tränen ausbrach und den Vortrag vorzeitig a b ü r e ch e n mußte. Hierauf betrat der Versammlungsleiter, Pfarrer Hölzel, die Kanzel, um im gleichen Ton wie die Rednerin sich gegen die deutsche Frau zu wenden. Und mit der Hand auf die protestierenden Frauen hinweisend, erklärte er, gerade sie seien es gewesen, auf die die Ausführungen, der Klägerin Bezug hätten. Dann hob er die Hand gen Himmel und richtete ein Gebet an den Allmächtigen, in dem er bat, er möge diesen Verworfenen nicht Rast und Ruhe schenken . . . Das schöne, aber durchaus nicht hierhergehörige Lied „Freiheit, die ich meine", schloß die Veranstaltung." Man kann sich denken, wie eine derartige Mitteilung eines Augenzeugen die Leser der „Deutschen Zeitung" erregen mußte. Der kritische Leser mußte sich allerdings von vornherein sagen, daß die Darstellung des Augenzeugen doch erheblich viel des 'Unwahrscheinlichen enthalte, und daß der Augenzeuge sich doch vielleicht geirrt haben könne. A b e r w i e das g e t o m m e rt t ft, daß der Augenzeuge, und nicht er allein, sondern noch sehr viele andere Augenzeugen, geglaubt haben, daß das vor sich gegangen sei, was sie der „Deutschen Zeitung" berichteten, darüber wurden die „Deutsche Zeitung" und ihre Leser e r ft sehr viel später aufgeklärt. Zunächst erfubr man nur, was Herr Pfarrer Hölzel dazu zu sagen hatte. Dieser teilte mit, daß „die Arbeitsgemeinschaft als letzte Veranstaltung der Mianzkommission eine Frauenversammlung in der Klosterkirche einberufen habe. Als erste Rednerin sprach die christliche Aerztin Frl. Dr. Herzfeld aus Leipzig, d i e d o r t s e i t I a h r en in d e r christlichen Jugendbewegung eine führend e Rolle spielt. Ihre Ausführungen über den Sittlichkeits-

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