Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 4 (April 1921)
- Article
- Von Mischehen
- Date
- 1921-04-01
- Page
- 124 (sequence 3)
- Language
- German
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m Im deutschen Reich bis in ferne Zeiten zu erhalten, hielt bislang noch manchen Juden, noch manche Jüdin von höherem VerantwortlichkeiLsbewußtsein davon zurück, einer Neigung zu einem Wesen nichtjüdischer Art nachzugeben. Die Furcht vor frühem Aussterben der eigenen Art unter den Folgen der Mischehe wird durch die Wissenschaft behoben. Wird da nicht die ohnedies schon erschreckende Zahl der Mischehen ins Unermeßliche steigen und den schon lange drohenden Untergang der Westjuden beschleunigen? Vergegenwärtigen wir uns die in -einer statistischen Arbeit von Julius Rotholz erhärtete Tatsache, daß in der Reichshauptstadt im Jahre 1914/15 die Zahl der rein jüdischen Eheschließungen nur 325 betrug und gegen das Vorjahr um 145 zurückgegangen war; dagegen 347 Juden und Jüdinnen Mischehen eingingen, fast 50 Prozent mehr als das Jahr zuvor! Auch die schwächste Phantasie, auch der üppigste Optimismus wird da Gesichte von Vergehen und Sterben nach Ablauf zweier Geschlechter nicht abwehren können. Wir aber gieren nach Erhaltung unserer Art, wir sehnen uns nach Gewißheit der Dauer des westjüdischen Menschenkreises mit j ü d i s ch -e n Nachfahren. Kreist uns doch im Blute die stolze Sicherheit, daß einstmals am Baume des Judentums Glück der Erlösung von irdischem Leid und Elend für alle Völker der Erde erblühen wird. Drum ist es nicht religiöser Fanatismus und nicht freche Überheblichkeit, sondern höchste Sittlichkeit, Liebe zur Menschheit, die uns in der Mischehe ein Unheil erblicken und auf seine Abwendung sinnen läßt. Und die Mittel zur Wende, zur Behebung der Neigung zu Mischehe und Taufe, zur Erhaltung der deutschen Juden? Wir sehen nur eines: Innere Wende der jüdischen Menschen auf deutscher Erde, Wandlung, revolutionäre Wandlung des Begriffs vom „jüdischen Glaub e n", — Heimkehr zum Judentum. Seien wir doch grundehrlich in einer Zeit,-da „innere Wahrhaftigkeit" von den Besten deutscher Zunge als einfachste Voraussetzung echten Menschtmns verkündet wird; gestehen wir errötend ein, daß nur zu bald nach Erlangung gleicher bürgerlicher Rechte des deutschen Juden mit seiner Umwelt das Wort vom jüdischen Glauben bei unzähligen jüdischen Deutschen aus der religiösen und Gefühls-Sphäre entwurzelt ward und schließlich nichts mehr bedeutete denn.eine erlogene und verlogene Formel, mit der man den nur zu oft als unliebsam empfundenen Zufall des Hineingeborenseins in das Bereich des Judentums zugab. Wer so als ein Entwurzelter in den Reihen der Juden steht, für den gibt es keine inneren Hemmungen höherer Artung, wenn der allgewaltige Eros sein Fangnetz über ihn wirft. Und auch für jene Juden, die nur in blutmäßig bedingten geistigen Werten die Bedeutung des Eigendaseins der Judenheit erblicken, für die Nur- Nationaljuden braucht das Eingehen von Mischehen keineswegs mit Gewissensnot verknüpft zu sein. Ja, Erwägungen in Richtung der Fragen der Zuchtwahl und der Blutaufsrischung könnten „Kreuzung" mit nichtjüdischen Ehe-Partnern geradezu als verdienstvoll erscheinen lassen. Nur wem Jude sein einmalige Eigenart der Gott- Mensch-Beziehung bedeutet und Sinn jüdischen Seins Erfüllung seines Ich mit dem Bewußtsein der Gnade höchster Sendung auf