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Im deutschen Reich · 1921-04-01 · Heft 4 (April 1921) · p. 123

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 4 (April 1921)
Article
Von Mischehen
Date
1921-04-01
Page
123 (sequence 2)
Language
German
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Von Mischehen 123 und nicht von Geburt her, also nicht dem Blute nach, Christ war und übersah andererseits die nicht eben geringe Zahl von Ehen^, die dem Kirchenbekmntnis nach „rein", der Abstammung nach Mischehen waren. Nachdem Marcuse so die Fehlerquellen der seitherigen Mischehen-Sammelstatistik ausgedeckt hat und von da aus die Glaubwürdigkeit ihrer Schlußfolgerungen erschüttert, weist er aus Grund einer "ausgedehnten wissenschaftlichen Literatur und unter feiner, kritischer Würdigung von rassenpolitisch gefärbten Feststellungen in eben dieser Literatur nach, daß die Unterschiede der Rassen von Juden und Nichtjuden für die mindere Fruchtbarkeit der Mischehen nicht bestimmend sein können. Biologisch ist nämlich das Menschengeschlecht eine Einheit, d. h. alle Menschen, gleichviel welcher Rasse, können sich paaren, da sie „untereinander bluts-, richtiger eiweißverwandt" sind! .Zudem meint Marcuse, daß durch Untermischungen im Laufe der Jahrhunderte die Westjuden „viel gemeinsames Blut bekommen hätten", so daß eine Schwierigkeit der „Keimmischung" bei Kreuzungen von Juden mit Angehörigen der europäischen Völker unverständlich wäre. Auf dem Wege eigener Beobachtungen nach der einzelstatistischen Methode hat aber Marcuse bei über 300 jüdisch-christlichen Mischehen wesentlich andere Fruchtbarkeitsverhältnisse als die frühere Sammelstatistik ftstgestellt. Bei .annähernd dem vierten Teil dieser Eher: fand er eine Kinderzahl von über 3, in rund 12 Prozent mehr als 4, in 8 Prozent mehr als 6 Kinder. Auf diese Verschiedenheit der Fruchtbarkeit bei jüdischen Mischehen gründet M. seinen Schluß, daß die in den jüdisch-christlichen Mischehen so verbreitete Kinderlosigkeit und Kinderarmut nicht auf das Moment der verschiedenen „Rasse" zurückgesührt werden können, und daß es überhaupt einen spezifischen Fruchtbarkeitsgrad unter den Mischehen nicht gebe. Vielmehr sind psychologische und soziale Umstande hierfür als Ursachen anzusprechen. Nicht die geringe Fruchtbarkeit, sondern der mangelnde Wille zu größerer Kinderzahl, hervorgerufen durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Erwägungen, sind nach Marcuses Meinung letzten Endes Anlaß zur geringen Kinderzahl der Mischehen. Auch die oft erwähnte Eigentümlichkeit des raschen Aussterbens der Geschlechter von Mischlingen (nach 3—4 Generationen) bezieht M. auf kulturelle Begleiterscheinungen und nicht auf eine natürliche Untersruchtbarkeit der jüdisch-nichtjüdischen Mischlinge. Marcuse ging, abgesehen von wenigen Augenblicken subjektiven Befangenseins (Anthropologie der Ostjuden u. a.), als Wissenschaftler an die Lösung seiner Aufgaben. Er hat dabei durch seine Feststellungen den an sich schon fadenscheinigen Beweisführungen der Rassenpolitiker im antisemitischen und jüdischen Lager eine ihrer wichtigsten Handhaben genommen. Als"Juden und kritische Menschen darf uns darob aber nur geringe Freude bewegen; liegt doch die Gefahr nahe, daß die wissenschaftlichen Ergebnisse der Forschung seither noch bestehende Hemmungen gegen das Eingehen einer Mischehe beseitigen möchten. Der Wunsch, die eigene Familie

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