Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 4 (April 1921)
- Article
- Verband nationaldeutscher Juden und Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
- Date
- 1921-04-01
- Page
- 116 (sequence 6)
- Language
- German
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liö Im deutschen Reich laufen niemanden nach und schließen keine Kompromisse. Wir warten ab, wie sich die Entwicklung gestaltet. Aber den verlorenen Sohn, der in ehrlichem Ringen den Weg zu uns findet, werden wir nicht zurückweisen. Daß hier wesentliche Unterschiede vorliegen, kann niemand bestreiten. Sie zu verkennen, bedeutet neben einer starken Unwissenheit eine auf unwahrer Grundlage beruhende Beeinträchtigung der öffentlichen Meinung. In der Ostjudenfrage unterscheiden sich die Leitsätze des Verbandes und die Aufgaben des Centralvereins ebenfalls wesentlich. Der Verband erklärt, daß für den „nationaldeutschen Juden" die oft jüdische Frage kein jüdisches, sondern ein deutsches Problem ist. Für den Centralverein ist diese Frage ein deutsches, ein jüdisches und ein Menschheitsproblem. Es ist für ihn ein deutsches Problem, und zwar in erster Linie ein deutsches Problem, weil in der Tat eine Einwanderung großer proletarischer Massen in Deutschland unzulässig ist. Deshalb hat der Centralverein die Grenzsperre nicht bekämpft, allerdings unter der Voraussetzung, daß Mefe Sperre für alle Ausländer gleichmäßig gehandhabt wird. Eine tunlichst große Vorsorge für die Ostjuden ist aber für den Centralverein insofern Än politisches Problem, als die Ostjuden der ganzen Welt dem deutschen Volke, dem sie meist eine angeborene Sympathie entgegenbringen, noch einmal durch Förderung wirtschaftlicher Beziehungen sehr dienlich sein können, und weil jeder in der Außenpolitik Bewanderte weiß, daß eine menschenwürdige und gute Behandlung der durchreisenden Ostjuden dem deutschen Volke in späteren Jahren reiche Früchte tragen kann. Das Ostjudenproblem ist aber für den Centralverein auch ein jüdisches Problem, denn die Verfolgung der Ostjuden bedeutet in großem Umfange nichts anderes als eine Auswirkung genau desselben Judenhasses, über den wir zu klagen haben. In Osteuropa ist gegen die Juden vielfach mit denselben Mitteln gehetzt worden wie in Deutschland. Die Ostjuden sind nichts anderes als Opfer einer Verfolgung geworden, welche in dem Augenblick auch in Deutschland einsetzen kann, wenn es nach den Wünschen unserer Judenfeinde ginge. Infolgedessen ist die Auffassung, welche der Urheber des Verbandes in seiner Schrift „Vom nationaldeutschen Juden" über die Ostjuden in folgenden Worten niedergelegt hat: „dem nationaldeutschen Juden ist der Ostjude ein Fremder und nichts als ein Fremder, er ist ihm gefühlsfremd, geistig fremd und körperlich fremd", vom Standpunkt des Centralvereins unter keinen Umständen als richtig anzuerkennen. Es ist eben nicht so, als