Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 4 (April 1921)
- Article
- Verband nationaldeutscher Juden und Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
- Date
- 1921-04-01
- Page
- 117 (sequence 7)
- Language
- German
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Uerbsnb mil.-deuksch.Juden u. C.-B.deu^ch.Staatsbürger {üb. Glaubens 117 wenn dideutschen Interessen nur gewahrt werden können unter völliger Verleugnung jeglicher Beziehungen zu den Ostjuden. Und noch ein letztes: Die Leugnung der Berechtigung aller Darlegungen, die von Gabriel Rießer über Hermann Cohen bis zu Eugen Fuchs führten und die eine innige Verbundenheit zwischen Deutschtum und Judentum tatsächlich bewiesen haben, ist für die Neugründung charakteristisch. D i e W osh lgesinntheit der Judengegner zu erwerbe n, indem man möglichst weitvomJudent u m a b r ü & t, indem man s i ch seine Wege vollkommen vom Judengegner vors ch reiben läßt, wird niemals dem jüdischen und deutschen Emstfinden unsererFreunde entsprechen. Denn darüber wird man sich völlig klar sein müssen, daß die Fragest e l l u n g : Gebührt in unseren Gedanken und Empfindungen dem Deutschtum die erste Stelle oder dem Judentum? vollkommen falsch, in ihrem Innersten grundsätzlich unbegründet ist. Man kann die einzelnen seelischen Bestandteile des menschlichen Lebens bei solchen Fragen überhaupt nicht erörtern, wenn das letzte Ziel die Wahrheit sein soll. Soll ein Kind entscheiden, ob ihm der frühere Verlust des Vaters oder der Mutter wünschenswerter erscheint? Wenn die „nationaldeutschen Juden" leugnen, und sie leugnen es, daß das Judentum eine Wurzel unseres Seins ist, so sagen sie eine Unrichtigkeit und folgen auch darin den Beweisgründen unserer Gegner, die da meinen, weil wir Juden sind, können wir nicht gute Deutsche sein. Wenn je, so haben wir es in den Jahren des Unglücks unseres Vaterlandes erlebt, wie wir im Deutschtum und Judentum verwurzelt sind, und wie uns unsere Lebenskraft genommen wird, wenn die Axt an eine dieser Wurzeln gelegt wird. Nur, wer dem nicht ganz einfach zu begreifenden Gebilde, das der deutsche Jude darstellt, so fernfteht wie die Gründer des Verbandes, kann glauben, daß diese Fragen mit einem Tendenzparagraphen gelöst werden können. Wie viele von uns haben als Trutzjuden begonnen und haben ihr Judentum lieben gelernt? Nicht wahllose Einheitlichkeit ist das Gebot der Stunde und kann es nicht sein, weil sie unwahr ist. Wir sind stolz daraus, gerade durch die Mischung von Judentum und Deutschtum in uns eigenartige Persönlichkeitswerte auszulösen, mit denen wir bodenständige, wurzelseste Arbeit unserem Vaterlande leisten. Diese Wurzelfestigkeit dürfen wir nicht verlieren. Sie wird nimmermehr denen innewohnen, die der „einfachen", aber unwahren Verbandsparole folgen. Sie werden sich als die „Zwischenschichtler" erweisen, als die sie uns bezeichnen.