Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 4 (April 1921)
- Article
- Verband nationaldeutscher Juden und Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
- Date
- 1921-04-01
- Page
- 115 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316912-2316916-2358489--31912-2358531- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Verband nat.-deutsch. Juden u. S.-B.deutfch. Staatsbürger jüd. Glaubens 115 dieser Allgemeinheit eine Phrase. Wir haben es im Laufe der Jahre bei den Judenfeinden oft genug bekämpft. Positiv ausgesprochen heißt es für uns deutsche Juden, den Wiederaufstieg Deutschlands nach jeder Richtung hin zu fördern! Daß Anknüpfung -internationaler Kulturbeziehungen und Handelsbeziehungen notwendig sein wird, bedarf keiner Erörterung. Es scheint also, daß mit dem Wort „politischer Internationalismus", welchen der Alldeutsche Verband, die Deutschnationale Volkspartei und die Deutsche Volkspartei in ihrem Programm als besonders berämpsenswert bezeichnet haben, das Gegenteil dessen zu begreifen ist, was man unter deutschem I m - perialismus versteht. Infolgedessen war die ursprüngliche, später aufgegebene Absicht des Gründers des „Verbandes nationaldeutscher Juden", die Juden speziell für die Rechtsparteien zu sammeln, von seinem Standpunkt folgerichtigere Idee als die jetzige Tendenz, die sich an Angehörige aller Parteien einschließlich der Sozialdemokratie wendet. Wie der „Verband nationaldeutscher Juden" solche Leute, die sich als Sozialdemokraten zu dem Erfurter Programm bekennen, in seine Reihen aufnehmen will, ist ein Geheimnis, das uns unverständlich bleiben muß, denn ist die Sozialdemokratie nicht „international"? Darum erscheint dem Centrakverein seine positive Tendenz, nämlich von seinen Mitgliedern jede Tätigkeit im Sinne der Wiederanfrichtung unseres Vaterlandes zu verlangen, allein sachlich berechtigt. Man hüte sich vor vieldentigen politischen Schlag- Worten. Will etwa der neue Verband auch alle Friedensfreunde, alle Anhänger der Wlkerbundsidee als schlechte Deutsche bezeichnen? Sind sie nicht auch international? Von den Zionisten verlangt der Verband, sie mögen entweder answandern oder als Fremde, die sie ja sein wollen, nur die Rechte in Anspruch nehmen, die jeder Ausländer hat. Wer die Tätigkeit des Centralvereins verfolgt hat, wird wißen, daß der Centrakverein der tatsächlichen Sachlage entsprechend immer unterschieden hat zwischen jenem radikalen jüdischen Nationalismus, der sich in Deutschland als fremd bezeichnet, und jenem Zionismus, der in treuer Erfüllung seiner staatsbürgerlichen Pflichten in der Gründung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina sein Ziel erblickt, ohne deshalb irgendwelche Konzessionen in bezug auf sein deutsches Empfinden zu machen. Man mag die Zahl der so denkenden Zionisten größer oder geringer schätzen. Unser Vaterland braucht jeden Mitarbeiter. Ws deutsche Inden dürfen wir niemanden, der ehrlich in unserem Sinne arbeiten will, zurückstoßen. Wir