Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 4 (April 1921)
- Article
- Verband nationaldeutscher Juden und Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
- Date
- 1921-04-01
- Page
- 114 (sequence 4)
- Language
- German
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114 Im deutschen Reich Glaubens w-illen verfolgt werden, die Repräsentanten der eigenen Leidensgeschichte und die unserer Vorfahren. Deshalb müssen sie es auf das höchste verwerfen, wenn man, wie es unser verewigter Führer Maximilian H o r w i tz so oft ausgesprochen hat, in einer Zeit schwersten Existenzkampfes seiner eigenen Gemeinschaft den Rucken kehrt und sich nicht mehr Jude nennen will und nennen läßt. Im übrigen mag auf die Komik hingewiesen werden, die davin liegt, daß die neue Richtung, welche angeblich das Nationaljudentum am schärfsten bekämpft, in Wirklichkeit so nationaljüdisch ist, wie noch keine Vereinigung vor ihr. Denn sie lehnt alles Jüdisch-Religiöse grundsätzlich ab. Sie sieht nur in der angeblichen blutsmäßigen Zusammengehörigkeit der Juden untereinander die gemeinschaftliche Bindung und ist deshalb kraß materialistisch und rein nationaljüdisch. Wer mit uns kämpfen will, muß Jude sein im Sinne Gabriel Rießers. Kämpfen wir als Juden, die sich nicht scheuen, auch nach außen hin ihr Judentum zu bekennen, für unsere Ehre und für unser Recht! Das ist keine dogmatische, sondern eine Charakterfrage, und eine Welt trennt den Centralverein von denen, die dem Judentum den Rücken gekehrt haben. Wir müssen dagegen Verwahrung einlegen, daß es der Verband wagt, von Juden zu sprechen, d i e keine mehr sind und keine mehr sein wollen. Der Philosoph Lichtenberg hat mit Recht einmal das Wort ausgesprochen, daß „die größten Unwahrheiten" Wahrheiten mäßig entstellt sind, und in dieser mäßigen Entstellung von Wahrheiten leistet der „Verband nationaldeutscher Juden" Erkleckliches. Ein Beispiel: Der Volkszugehörigkeit nach ist nach unserer Auffassung der französische Jude Franzose, der englische Jude Engländer, der Religion nach aber sind beide Juden, ebenso wie dem deutschen Katholiken der französische Katholik und dem Protestanten der englische Protestant Glaubensbruder Hst. In einem Punkte herrscht Verschiedenheit, im anderen Gleichheit. Alle Eigenschaften des Menschen lassen sich eben nicht einheitlich unter eine Ordnung bringen. Wir kennen unter den Katholiken die besten Deutschen, und wir wissen auf der anderen Seite genau, mit welcher Schärfe sie stets für ihres Glaubens wegen gedrückte und geknechtete Brüder eingetreten sind. Längst hat die allgemeine Politik auch der rechtsstehenden Parteien im Gegensatz zu früher erkannt, daß nur feige Denunzianten von einer Vaterlandslosigkeit gläubiger Katholiken sprechen können. Wenn weiter, wie es in dem Aufrufe heißt, der „nationaldeutsche Jude" den politischen Internationalismus bekämpfen will, so ist das Wort in