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Im deutschen Reich · 1921-03-01 · Heft 3 (März 1921) · p. 99

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 3 (März 1921)
Article
[Ohne Titel]
Date
1921-03-01
Page
99 (sequence 3)
Language
German
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Jüdische Rundschau 99 k o m ni eit, die unter, der Not der Zeiten einem schweren Schicksal entgegengehen.- Die jüdische Jugendpflege'im modernen Sinne ist eine Schöpfung der deutschen Juden und einer der Ruhmestitel, der ihren Namen unter den Glaubensgenossen in ganz Europa geachtet machte. Im Bereiche der deutschen Sprache sind zuerst jüdische Schulen, Waisenheime und Erziehungsanstalten gegründet worden, die den Bedürfnissen der jüdischen Ueberlieferung und des modernen bürgerlichen und wirtschaftlichen Lebens in gleicher Weise zu genügen bestrebt waren. Ein merkwürdiges, in der Oefsentlichkeit wenig bekanntes Erziehungsinstitut, eines der ältesten, vielleicht das älteste jüdische Erziehungsinstitut in Deutschland überhaupt, ist die Nauensche Erziehungsanstalt in Berlin, dje auf 143 Jahre ihres Bestehens zurückblicken kann. Sie wurde im Fahre 1778, ein Jahr vor dem Erscheinen von Lessings „N a t h a n", gegründet, von der Frau Dina Cohn, geb. Nauen, die das ganze ihr von ihrem in dem genannten Jahr verstorbenen Gatten Jacob Herz Aron Cohn hinterlassene Vermögen nach Abzug einiger Vermächtnisse für andere gemeinnützige Institutionen, dem Zweck bestimmte, „eine Erziehungsanstalt zu gründen, in der zehn arme Kinder aufzunehmen sind, die höchstens von ihrem achten bis zum zurückgelegten sechzehnten Lebensjahre unterhalten werden sollen. Sie sollen in der Thora und in sittlicher (weltlicher) Bildung unterrichtet werden". Die Anstalt wurde in dem Gartenhaus des der Erblasserin gehörenden Grundstücks in der Spandauer Straße untergebracht. Hier hatten Lehrer und Zöglinge freie Wohnung, Beköstigung und Beheizung. Besonderes Personal sorgte für die Reinlichkeit der Kinder und die Ordnung im Hause. ,-Der jedesmalige Oberraböiner oder Vizeoberrabbiner ist als wirklicher Kurator eingesetzt." Ihm zur Seite stehen zwei angesehene Männer als Kuratoren. Derzeit übt die Funktionen eines Oberkurators der rangälteste der Berliner Gemeinderabbiner, Or. S. Weiße, aus. Sie muß eine kluge und gütige Frau gewesen sein, diese Frau Dina Cohn, geb. Nauen. Zu einer Zeit, als das Bedürfnis nach geregeltem Elementarunterricht unter 'der Judenheit kaum erst sich zu regen begann, verwirklichte sie einen ausgezeichneten sozialpädago gischen Gedanken, der weit über das Programm der Elementarschule hinausgriff. Begabten Kindern mittelloser Eltern sollte eine gute körperliche und geistige Erziehung zuteil werden in den Jahren, da sie ihrer am meisten bedür fen. Der jetzige Direktor der Anstalt, in dessen Händen die Leitung seit mehr als einem Vierteljahrhundert ruht, vr. Oskar G ö tz, hat die Entwicklungsgeschichte dieses einzigartigen Instituts in einer schönen Monographie erzählt. Immer dem Gedanken der Stifterin folgend, die Zöglinge zu tüchtigen, nützlichen jüdischen Menschen heranzubilden, wurde die Grundlage beträchtlich erweitert und ausgebaut. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts konnte die Anstalt bereits die doppelte Anzahl von Zöglingen aufnehmen. Spater wurde deren Zahl auf achtzehn erhöht. Jetzt ist sie in weiten, luftigen Räumen in einem stillen Gartenhaus in der Oranienburger Straße Nr. 54 untergebracht. Die Zöglinge besuchen durchweg die höheren Schulen, die Anstalt entrichtet das Schulgeld. Die städtischen Schulen gewährten den Zöglingen Freiplätze, doch hat . sich in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Freiplätze merkwürdigerweise von zehn auf drei vermindert. Die meisten widmeten sich nach Erlangung des Einjährigenzeugnisses dem Kaufmannsstande. Eine Reihe tüchtiger Menschen, die in der Gesellschaft ehrenvolle Stellungen einnehmen, aber ohne die Fürsorge dieser Anstalt vielleicht ins Proletariat hi nab g efunken wären, ist seit fünf Generationen aus dem Nauenschen Institut hervorgegangen. Manche Dieätteftejüd. Erziehungsam'ralr in Deurschland Hundertdreirmdvrerzis; Jacire sozialpüdagogischer WirtsamkUt.

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