Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 3 (März 1921)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1921-03-01
- Page
- 98 (sequence 2)
- Language
- German
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98 Im deutschen Reich Gefährdung der tzeranrv ochsenden Generation Bedrängnisse der jüdischen offen:!. Wohlfahrtspflege solcher „unberechtigter" Kriegsbeschädigter Frau und Kinder zu ernähren hat, dann ist er doppelt, bedauernswert. Me Sorge um das Schicksal der Heranwachsenden Generation, dieser Zukunstshofsnung einer jeden Gemeinschaft und einer jeden Familie, nimmt beängstigende Formen an. Zahllos sind die Kinder im erziehungsbedürftigen Alter, denen nicht nur die feste und treue Lenkung einer väterlichen Hand, sondern auch das Allernötigste fehlen wird. Wie viele gute und wertvolle. Keime muffen da zugrunde gehen, wie viele schöne Blüten müssen da in dem rauhen Klima der Dürftigkeit und Not erfrieren!, So mancher Knabe, der ein tüchtiger, wertvoller Mensch zu werden versprach, bleibt im zarten Alter ohne jenen Schutz und jene Leitung, die unbedingt nötig sind, um die Früchte zum Reifen zu bringen. Das intellektuelle und somit auch das wirtschaftliche Niveau der kommenden Generation der deutschen Judenheit läuft Gefahr, eine bedenkliche Senkung zu. erfahren. Der hohe Rang, den die deutsche Judenheit in einer mehr als anderthalbhundertjahrigen mühevollen Arbeit ihrer besten Köpfe und stärksten Herren im deutschen Vaterland und nach außenhin innerhalb der gesamten jüdischen Gemeinschaft errungen hat, steht auf dem Spiel. Hier wäre es Pflicht der Allgemeinheit, helfend einzugreifen und dem einzelnen beizustehen in der Erziehung der Erziehungsbedürftigen, die dereinst alle ausgewandten Kosten und Mühen zehnfach lohnen werden. Der soziale Instinkt, der stets wach ist, wo höheres geistiges und moralisches Leben pulsiert, müßte sich kraftvoll erheben und die Gewissen aufrütteln zu gemeinsamer fruchtbarer Tat. Die Waisenhäuser und ähnliche Erziehungsanstalten müßten verdoppelt und verdreifacht werden, reichlich ausgestattet und versorgt werden. Der Lehrer st and müßte auf eine viel gefestigtere materielle Basis gestellt werden, sein so hoher und so schwieriger Beruf müßte ihm doppelt angenehm und lohnend gemacht werden, denn die Aufgabe, die er an der kommenden Generation zu erfüllen hat, ist doppelt schwierig, und mehr denn j e i st diese Aufgabe für die Gesellschaft wichtig. All das ist aber mit einer ungeheuren Steigerung der Geldausgaben verbunden. Und zum Unglück ist der Haushalt der jüdischen Gemeinden bedenklich zurückgegangen. Anstatt die Zahl der Waisenhäuser zu vermehren, mußte im Reich eine ganze Anzahl von Waisenhäusern geschloffen werden — aus Mangel au materiellen Mitteln! Was Wunder? Die Fonds sind ungeheuer entwertet und werfen nunmehr nur einen kleinen Teil der Beträge ab, die ehemals reichlich hinlangten, um die Kosten der Anstalten zu bestreiten. Diese Kosten aber sind um das Fünffache gewachsen. Dabei hat sich das Steuereinkommen der Gemeinden vielfach verringert. Die neuen Gesetze, die es den einzelnen Gemeindemitgliedern so leicht gemacht haben, aus der Gemeinde auszutreten und mit einemmal alle pekuniären Lasten von sich abzuschütteln, haben eine viel zu große Anzahl Wankelmütiger angelockt. Sie bedachten nicht, daß jedes Mitglied gegen die Gemeinde eine, rechnerisch ausgedrückt, viel höhere Verpflichtung hat, als der jährliche Steuerbetrag ausmacht, daß mit dem Entfall der Steuer eine ganze Anzahl sozial und kulturell hochwichtiger Institutionen in ihrem Bestände gefährdet oder gar vernichtet wird. Der persönliche Egoismus hat eben durch den Krieg und seine Folgen leider nicht nur keine Abschwächung, sondern nur noch eine Steigerung erfahren. Glücklicherweise gibt es noch immer, wie dies besonders unter uns Juden stets der Fall war, Herzen, die den Egoismus der anderen durch ihre Opferfreudigkeit und Güte wieder wettmachen. Diese Herzen müssen sich zu einem Bund vereinen, um den Kindern zu Hilfe'zu