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Im deutschen Reich · 1921-03-01 · Heft 3 (März 1921) · p. 96

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 3 (März 1921)
Article
[Ohne Titel] / L. H.
Date
1921-03-01
Page
96 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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06 5.st deutschen Reich nicht. Jüdische Mitbürger, vergesset doch nie, wo Gott die Grenze gezogen hat. Wir sind nicht bösen Willens, wir wollen nur wahrhaftig bleiben. Denn wehe dem, der Liebe fälscht." Muß man sich nicht an den Kopf fassen, wenn man solches liest? Und noch ein zweites. Neuerdings hat Walter Classen im „Deutschen Volkstum" einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er sagt: „Wenn die Juden Deutsche werden wollen — ich mag es ihnen nicht wehren." Stapel schreibt hierzu: „Nach meiner Anschauung ist es nicht im Bereich des menschlichen Willens gelegen, zu welchem Bolle man gehört. Man wird als Deutscher oder Jude geboren. Volkszugehörigkeit ist etwas grundsätzlich anderes als Staatsangehörigkeit, auch etwas anderes als Heimat. Darum ist für mich die Frage gar nicht möglich, ob ich' es den Juden erlauben oder verwehren will, deutsch zu werden. Was hilft all mein freundlicher Wille gegen den Willen Gottes, des Schicksals, der Natur — man nenne es mit Namen, wie mau will?" Eine solche Auffassung, seitens eines ernsten Mannes wäre vor 40 Jahren noch nicht möglich gewesen. An die Stelle von Tatsachen ist eine unklare Romantik getreten. In dem Werk von Goldstein wird nachgewäesen, daß die G e m ü t s w e r t e, welche allein Stapels Schlußfolgerungen tragen können, eitel Dunst find, daß gerade die Gedanken des feindlichen Auslandes in dem unseligen Kriege gegen Deutschland genau die gleichen gewesen find, wie sie Stapel uns Juden gegenüber hegt, daß der g u te Deu is ch e d e m ge g - nerifchen und auch dem neutralen Ausland als „echt jüdisch" erschienen ist, und daß alles, was heute Männern wie Stapel heilig ist, von rechtsgerichteten Politikern vor 60 Jahren mit Hohn und Entrüstung zurückgewiefen wurde. Man denke an Männer wie Bismarck und Treitschke; würde auch ihnen der Heldentod für das Vaterland nicht genügt haben, um zum wahren Deutschen zu werden? Die Antwort ergibt sich für den, der sich mit den Anschauungen dieser Männer beschäftigt hat, von selbst. Man sollte annehmen, daß Freunde des deutschen Volkes im diesen ernsten Zeiten vor Einseitigkeit warnen müßten, die nur zu geeignet ist, das Urteil der anständig Denkenden im Lager der Gegner Deutschlands in wenig erfreulicher Weise zu beeinflussen. Man hat unseren katholischen Mitbürgern vor 45 Jahren mit genau denselben Gründen die Möglichkeit, deutsch zu sein, bestritten; manche tun es heute noch, die meisten aber haben sich von der Irrtümlichkeit ihres Urteils überzeugen lassen. Auch uns Juden wird der Erfolg blühen, aber nicht, wenn wir die Hände in den Schoß legen, nicht, wenn wir uns in unfruchtbaren «Erörterungen über 'bestrittene Begriffe bewegen, sou-

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