Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 3 (März 1921)
- Article
- [Ohne Titel] / L. H.
- Date
- 1921-03-01
- Page
- 97 (sequence 8)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 97 derrr nur, wenn wir Gabriel Rreßers Werk der unermüdlichen Aufklärung, des fortgesetzten Kampfes ums Recht weiterführen, Judentum und Deutschtum in uns zu einer stündlich mehr geschlossenen Einheit gestalten und arbeiten, arbeiten, arbeiten. Es ist das geschichtliche Los unserer Gemeinschaft, im vordersten Schützengraben gegen Vorurteil und Haß zu liegen und als Sturrngarde den Sünden gegen den Geist wissenschaftlicher Erkenntnis auf den Leib zu rücken. Eine schwere, gefährliche, aufregende Aufgabe, uns zugeteilt von dem Lenker aller Geschicke, die wir aber freudig übernehmen. Denn letzten Endes" sorgen wir auch zu unserem Teil dafür, daß es als eine Sünde erkannt wird, wenn fortgesetzt falsches- Zeugnis abgelegt wird gegen die Ergebnisse aller wissenschaftlich geklarten Erkenntnis und Erfahrung. L. H. Jüdische Rundschau. Die Not der jüdischen Kinderwelt. — Gefährdung der Heranwachsenden Generation. — Bedrängte Lage der jüdischen Anstalten für soziale Fürsorge. — Tie älteste jüdische Erziehungsanstalt in Deutschland, ihre ruhmreiche Geschichte und jetzige Notlage. — Pflichten der Gemeinschaft gegen den Einzelnen und des Einzelnen gegen die Gemeinschaft. — Das Geheimnis der Juden. Man muß weit in die jüdische Geschichte zurückgreifen, um eine Zeit 5u finden, in der der weitaus größte Teil der Judenheit sich in so tiefer Not befand, wie in der jetzigen Zeit. Jrn vorigen Hefte wurden hier die Leiden geschildert,- die sich über die Juden der Ukraine ergossen haben und deren Ende nicht abzusehen ist. Wo die Juden im Osten von Pogromen verschont wurden oder die Pogromwut sich bereits gelegt hat, wie in Polen, breitet sich der wirtschaftliche Boykott immer^mehr aus und schließt seinen Ring um das Erwerbsleben der Juden. Me eine bittere Ironie des Schicksals ist es, daß wir Juk ' Welt als die. „Kriegsgewinnler" par exeellence verschrieen weroen, während wohl keine Gemeinschaft in der Welt so hart wie wir vom Krieg und seinen Folgen betroffen wurde. Am härtesten sind die Kinder betroffen worden. Aber nicht allein die Kinder jener Länder, in denen der Pogrom wütet, sondern auch in denen, die, wie Deutschland, von ihm, Gott sei Dank, verschont geblieben sind. Der Krieg hat die Zahl der Waisenkinder erschreckend vermehrt. Ihre Zahl läßt sich einigermaßen ziffernmäßig seststellen. Wer aber zählt diejenigen, deren Väter durch den Krieg ganz oder teilweise erwerbsunfähig geworden sind, die aus den Schützengraben oder dem Feldlager zwar scheinbar unbeschädigt, mit beiden Beinen und beiden Armen, mit beiden Äugen und beiden Ohren heimgekehrt sind, aber eine tückische Krankheit mitgebracht haben, die sie in dem jetzt so verschärften Kampf ums Dasein ganz ins Hintertreffen drängt! Das Herz ist krank, der Magen ist angegriffen, das Nervensystem erschüttert, die Arbeitskraft hat erheblich gelitten oder ist auf lange hinaus beträchtlich zurückgegangen. Solche Herabminderungen der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit lassen sich ärztlich gar nicht erfassen. Auch wenn der Staat die Mittel und den guten Willen besäße, zu helfen, so ist keine rechtliche Handhabe gegeben, den Anspruch auf seine Beihilfe geltend zu machen. Wenn ein Jüdische Kinderrwt