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Im deutschen Reich · 1921-03-01 · Heft 3 (März 1921) · p. 95

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 3 (März 1921)
Article
[Ohne Titel] / L. H.
Date
1921-03-01
Page
95 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Zeitfchau 95 die Sinne eines Mannes getrübt, der offenbar ein ehrlicher Wahrheitssucher ist, nämlich die Wilhelm Stapels. Stapel ist in jüdischen Kreisen noch nicht genügend bekannt, obwohl er in der letzten Zeit in verschiedenen Aufsätzen seiner Zeitschrift „Deutsches Volkstum" die Judensrage in einer zum mindesten nicht jeder Ursprünglichkeit entbehrenden Weise behandelt hat?) In der diesjährigen Februarnum'mer des „Deutschen Volkstums" ist Stapel nochmals eingehend auf den Gegenstand zurückgekommen. Für die Gedankenführung dieses Schriftstellers ist die Stelle maßgebend, welche die Einstellung des „Musterdeutschen", den Stapel zu erziehen sucht, zu denjenigen Juden gibt, welche chen Heldentod für das Vaterland gestorben sind. Er führt (Saite 40) aus: „Endlich, es ist gefragt worden, ob man die Zugehörigkeit zum andern Volke nicht erwerben könne, wenn man sein Leben dafür opfert. Ich stehe iur Geiste vor den Gräbern jüdischer Soldaten, die für Deutschland gefallen sind. Die Ehrfurcht gebietet mir Schweigen. Wer da nun einmal jene Frage aufgeworfen wurde, so will ich ehrlich reden. Ich hörte von Juden, die waren ins Feld gezogen, weil sie dort ihr eigenes Haus, ihres Hauses Zukunft, ihr Schicksal, das nun einmal an das des deutschen Volkes gebunden ist, verteidigen wollten. Sie haben ihren Lohn dahin wie wir den unfern. Ich hörte von einem Juden, der ging an die Front, um zu beweisen, daß auch Juden tapfer sein können. Er hat es durch den Tod bewiesen. Wie aber stellen wir uns zu den Juden, die, von ihrem Volke gelöst, mit glühendem Herzen in den Krieg eilten, um sich die Zugehörigkeit zu dem Volke ihrer Wahl zu verdienen durch das höchste Opfer, das Liebe bringen kann? Wir werden euch mit Ehrfurcht behandeln, euch Lebende wie Tote — aber kann Gemeinschaft je verdient werden? Dem Menschen, der mein Kind vom Tod errettet, werde ich unauslöschlich dankbar sein. Aber darf dieser Mensch nun fordern, daß ich ihn darum als Glied meiner Familie aufnehme? Die Familiengememschaft kann durch Opfer nicht erworben werden, nur freie Liebe kann sie gewähren. Die Wahrheit, daß man die Gemeinschaft der Heiligen nicht durch Werke verdienen kann, sondern daß allein Gottes Gnade sie gewährt, gilt auch für alle menschliche Gemeinschaft. Auf die Bürgerschaft in einem Staat, auf die Mitgliedschaft in einem Verein erhält man ein Recht durch Verdienste um Staat und Verein. Auf Freundschaft, Ehe, Volksgemeinschaft gibt es keine „Ansprüche". Nur die Liebe von Mensch zu Mensch kann Grenzen sprengen und Gemeinschaft bilden. Liebe aber darf niemand fordern und kann niemand geben wollen, sie ist da oder ist nicht da. Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. Und ebenso: Was Gott geschieden hat, das soll der Mensch nicht zusammen- Mgen. Gott selbst muß es tun. Ob der Deutsche den Juden in seine Gemeinschaft aufnimmt, ist keine Frage der Gerechtigkeit oder des Wohlwollens, sondern der Liebe. Diese Kraft allein entscheidet das Schicksal in jedem einzelnen Fall — allgemeine Gesetze gibt es da *) Eine Zusammenstellung ist unter dem Titel „vr. Wilhelm Stapel, Antisemitismus", Verlag des Deutschen Volkstums, Hamburg 36 (Preis 0,95 M.), erschienen.

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