Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 3 (März 1921)
- Article
- [Ohne Titel] / L. H.
- Date
- 1921-03-01
- Page
- 94 (sequence 5)
- Language
- German
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94 Im deutschen Reich Herzen eiutreten. Mögen diejenigen von ihrem Treiben Abstand nehmen, die die jüdische und die christliche Jugend durch Klassenhaß, Rassenhaß und Massenhaß vergiften. Wahrhertssucher. Eugen Dühring hat einmal gesagt, daß die Judenfrage auch existieren würde, wenn alle Juden ihrer Religion den Rücken gekehrt hätten. Dieses Wort fand eine scheinbare Bestätigung in der Tatsache, daß vor etwa 40 Jahren der zum Christentums übergetretene ehemalige Rabbiner u n d n a ch m a l i g e evangelisch e Pf artet Paulus Cassel seinen Amtsbruder Stöcker wegen dessen Ju d e n s e i nü li ch k e i t an griff. Triumphierend erklärten die Judengegner, hier sei der Beweis erbracht, daß das Gefühl der Blutsgemeinschaft, das Rassegesühl, stärker sei, als das der christlichen Gemeinschaft. So sprach man schon damals, als es noch keine „wissenschaftliche Rassentheorie" gab, von der heute jeder Schuljunge in seinem nationalen Jugendbund hört. Und doch welche V e r k e n n u n g d a m a l s wie heute! Liest man die erwähnte Schrift von Paulus Cassel mit Verständnis, so ist nicht zu übersehen, daß er sich gegen Stöcker nicht wegen seiner blutsmäßigen Zugehörigkeit zum Judentum, sondern aus Entrüstung über die Verletzung seines von ihm über alles geschätzten Gutes: nämlich der Nächstenliebe, wendet. Das Hinüberspielen sittlicher Gesichtspunkte ins rein Materielle, d. h. die Vertauschung vorhandener Lebenswerte mit fälschlich naturwissenschaftlichen Begriffen, über deren Entstehung, Bedeutung und Gefahr Professor Julius G o l d st e li n eine kleine, überaus wertvolle Schrift*) herausgegeben hat, die eine Tat bedeutet, hat auch *) „Raffe und Politik" von Prof. Jul. Gold stein, mit einem Vorwort von Lic.. Dr. Heinrich Fr ick. Neuwert-Verlag, Schlüchtern. (Preis 16,80 M.) Noch andere ausgezeichnete Bücher schenkte uns die letzte Zeit. Man wird nicht mit allem, was Fritz Kahn in seinem im Welt-Verlag erschienenen Werk „Die Juden als Rasse und Kulturvolk" (Preis 36 M.) geschrieben hat, einverstanden sein können, aber man wird das Buch mit wärmstem Dank an den ehrlich nach Wahrheit suchenden Verfasser aus der Hand legen.. Die Müllersche „Jüdische Geschichte von der Zerstörung des ersten Tempels bis zur Gegenwart in Charakterbildern dargestelll", I. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart (Preis 28,80 M.) wird jung und alt erfreuen, weil sie lebendig wirkt, wie selten eine Geschichtserzählmig. Das gleiche Lob kann unserem Freunde Seifensieder in Nürnberg gespendet werden, der in einer groß angelegten Lebensbeschreibung „Gabriel Rietzer, Ein Mann jüdischen Glaubens", Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M. (Preis 21 M.), diesen unseren Heros in seinen Werken der Jetztzeit vor Bugen führt.