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Im deutschen Reich · 1921-03-01 · Heft 3 (März 1921) · p. 82

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 3 (März 1921)
Article
Vom Heimatsrecht der deutschen Juden
Date
1921-03-01
Page
82 (sequence 10)
Language
German
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82 Im deutschen Reich leute verdankt das Gebäude der deutschen Kultur seine Weite und Eigenart. Auf allen Betätigungsgebieten deutscher Arbeit sind Juden wertvolle Mitschafsende gewesen. Diese jüdische Mitarbeit ist auf den Gebieten der Religion, der Kunst, der Weltweisheit, des Handels und der Gewerbe nachweisbar. Durch das Christentum ist der deutsche Geist im Sinne der Bibel erzogen und befruchtet worden. Der christliche Geistliche Travers Herford hat noch jüngst die Kulturvölker ernst an ihre Dankesschuld gegenüber der Bibel und durch sie gegenüber dem Judentum erinnert. Dabei darf aber, wie es heute so oft geschieht, nicht das Neue Testament gegen das Alte ausgespielt werden. Sind doch die Verfasser des Neuen Testaments mit wenigen Ausnahmen Juden gewesen. Ist doch die Welt des Neuen Testaments allein aus dem Judentum zu begreifen. Wieviel die deutsche Kultur, das deutsche Gemütsleben, vor allem aber die deutsche Kunst diesem biblischen Einschlag verdankt, ist jedem Kenner der deutschen Geistesgeschichte gegenwärtig. Der Einfluß der germanischen Urelemente ist ihm gegenüber als verschwindend gering zu bewerten. Aber auch die tätige Mitarbeit der jüdischen Deutschen an allen Großtaten der deutschen Kultur des letzten Jahrhunderts — vorher waren sie ja gewaltsam von ihr ausgeschlossen — ist überaus bedeutsam. Man braucht nur Namen wie Einstein, Ehrlich, Haber, Zuntz, Frank zu nennen, um den Beitrag der Juden zu Deutschlands Weltgeltung allein im letzten Jahrzehnt zu kennzeichnen. Hat irgendein Deutscher seinem Volke seinen größten Dichter Goethe so nahe gebracht wie der Jude, Gundolf? Hat irgendein Deutscher soviel für die Erhaltung des Geisteserbes des deutschesten Denkers Kant getan wie Hermann Cohen? Ist es wirklich unbekannt, was ein Max Liebermann für die deutsche Malerei, ein Franz Werfel, um nur einzelne Namen zu nennen, für die jüngste deutsche Dichtkunst bedeutet? Bedeuten nicht die Werke eines Staub, Schaps und zahlreicher Anderer Meisterleistungen der deutschen Rechtswissenschaft? Ist die Mitarbeit der Juden an der deutschen Medizin von Traube bis Wassermann wirklich so bedeutungslos? „Man denke sich aus der deutschen Theaterwelt Otto Brahm und Max Reinhard, aus der Publizistik Theodor Wolfs und Georg Bernhard, aus der deutschen Politik Lassalle, Lasker, Bamberger und Eduard Bernstein, und sofort wird man begreifen, wieviel ärmer unsere nationale Kultur ohne die Juden wäre2)." Vor allem aber sind die Juden die eifrigsten Vermittler und Verbreiter der deutschen Arbeit in der gesamten Kulturwelt gewesen. Juden haben die Erzeugnisse deutschen Geistes, deutscher Kunst, deutscher Wissenschaft, deutschen Gewerbefleißes über die ganze Erde verbreitet und sind so die Wegbereiter der deutschen Arbeit geworden. Sie haben als Kaufleute mehr zur Achtung des deutschen Namens und der deutschen Kultur beigetragen als alle Phrasendeutschen und Hurrapatrioten. 2) Kultusminister Harnisch „Staat und Hochschule".

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