Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 3 (März 1921)
- Article
- Vom Heimatsrecht der deutschen Juden
- Date
- 1921-03-01
- Page
- 81 (sequence 9)
- Language
- German
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Vorn Heimatsrecht der deutschen Juden 8! Kinder heiliges Blut oder das eigene für Deutschlands Ehre vergossen, so daß er deutsche Schmach als seine Schmach, Deutschlands Schmerz als seinen Schmerz, Deutschlands Ehre als seine Ehre empfindet, so besitzt er deutsches Nationalgefühl und muß mit Fug und Recht als Volldeutscher anerkannt werden. Das muß mit aller Offenherzigkeit gegenüber der Gedankenlosigkeit der deutschen Rassentheoretiker ausgesprochen werden. Gegen die Annahme einer besonderen Rassenrangordnung war schon Alexander von Humboldt mit gewichtigen Gründen aufgetreten. Vom Standpunkt des Naturforschers und Anthropologen wies Virchow, vom Standpunkt des Geschichtsforschers Ranke und der Geschichtsphilosoph Buckle ihre Sinnlosigkeit nach. Der Ethnologe Friedrich Müller nannte die Rassentheorie „eine leere Phrase" und „puren Schwindel". Wo gibt es denn eigentlich diese hochgepriesene reine germanische Rasse? Wer nur Augen im Kopfe und eine auch nur elementare Kenntnis der deutschen Geschichte besitzt, sieht überall die Blutmischung in Deutschland,, so daß die eingebildete Blutreinheit der Neugermanen als eine rechte Kinderphantasie bezeichnet werden muß. Ausnahmslos alle modernen Nationen sind das Ergebnis eines Völkergemischs. Eine Prüfung der Blutmischung gehört in das Gebiet der Kurpfuscherei, die Rassenlegende selbst in das Weltreich der Narretei. Nicht das Blut, sondern der Geist und der Wille bewirken und kennzeichnen die Zugehörigkeit zu einem Volke. Nicht Schädelform und Haarfarbe schaffen eine völkische Einheit, sondern neben dem Willen die rassebildenden Elemente des Bodens, des Klimas und der Kultur. Wille, Geschichte, Natur und Kultur haben die Juden eingedeutscht. „Innerlich frei (wie der jüdische Deutsche ist), weiß er wohl, daß es die gleichlaufende Entwicklung der Gefühlsrichtung ist, die die Menschen zur Nation zusammenschweißt, nicht der Zufall gemeinsamer Abstammung. Aber er weiß auch, daß das gefühlsmäßige Zusammenwachsen mit einer Nation, deren Mehrheit aus anderem Stamme ist, nicht das Verleugnen der eigenen Abstammung, die Unterdrückung der eigenen Stammesart bedingt*)." 3. Zu den vier Trägern des Deutschtums der jüdischen Deutschen — geschichtliche Zugehörigkeit zum deutschen Volke, Bodenständigkeit auf deutscher Erde, Leben in der Sprache und Kultur der Deutschen und nationaldeutsches Wollen — kommt aber als fünfter und sicher nicht als unbedeutendster die schöpferische Mitarbeit der Juden an der deutschen Kultur, Derm Deutschlands Juden haben sich an ihrem Aufbau und Ausbau seit ihrer Emanzipation wirksam beteiligt. Die deutsche Kultur ist kein einheitliches Gebilde. Menschen aus allen Rassen und Religionen haben zu ihrem Aufbau beigetragen. Die Lebenskraft des Deutschtums hat es allerdings vermocht, diese Bauteile zu einer geschlossenen Einheit zusammenzuschweißen. Aber gerade der bunten Mannigfaltigkeit seiner Bau- *) Naumann in der „Kölnischen Zeitung" über den „naLionaldeutschen Juden".