Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 3 (März 1921)
- Article
- Vom Heimatsrecht der deutschen Juden
- Date
- 1921-03-01
- Page
- 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316912-2316915-2358401--31840-2358441- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
78 Im deutschen Reich Deutschland aus Süditalien^). Es darf also mit einiger Wahrscheinlichkeit auf den süditalienischen Ursprung der ersten jüdischen Kolonisten in Deutschland geschlossen werden^). 6. In der römischen Zeit waren die Juden in Deutschland und Gallien wie zur selben Zeit in Palästina und Babylon Grundbesitzer und Ackerbauer gewesen. Aber noch bis in das 10. und 11. Jahrhundert haben sie sich in Deutschland trotz der gesetzlichen Erschwerungen als Weinbauern und Weinbergsbesitzer betätigt^). Im Frankenreiche waren sie im wesentlichen mit dem Außenhandel beschäftigt. Neben ihnen waren hier christliche Syrer bei der Einfuhr morgenländischer Waren und bei der Ausfuhr von Sklaven tätig35). Der Handel beruhte in dieser Zeit auf der persönlichen Betätigung des Kaufmanns. Dieser kaufte die Ware an ihrem Ursprungsort oder auf den Märkten vom Erzeuger. Er begleitete den Transport der erstandenen Waren nach ihrem Bestimmungsort oder dem nächsten geeigneten Markte. Ein Lieserungsgeschäft auf Bestellung war noch nicht denkbar, da es an einer regelmäßigen Beförderung von Gütern und Briefen fehlte. Die römische Post der Kaiserzeit diente nur den Zwecken des Staates. Darum besorgten die umherzieh enden jüdischen und christlichen Händler zugleich den Postverkehr^o). Diese Form des Handels erforderte bei der Dauer und Schwierigkeit weiter Reisen und bei der Unsicherheit der Straßen großen Wagemut. Eine weitere Voraussetzung für diese Kaufmannszüge war eine ausgedehnte Kenntnis fremder Sprachen. Tatsächlich berichtet Jbn Khordadbeh um 850 in seinem Buch von den Postrouten von jüdischen Kausleuten, die -er Radhaniten oder Rhodanici nennt, daß sie fränkisch (deutsch), spanisch, romanisch (französisch), slawisch, arabisch und persisch sprechen. Sie reisten vom Abendlande, wahrscheinlich von Arles aus, nach dem Orient und umgekehrt, und brachten Sklaven, Seide, Pelzwerk, Schwerter usw. aus dem Westen. Sie gingen im Lande der Franken zu Schiff, fuhren nach Farama (Pelusium) und von dort bis nach Indien und China. Bisweilen aber wählten sie auch den Landweg durch Deutschland und das Land der Slawen nach der Stadt der Chasaren an der Wolga und dann über das Kaspische Meer quer durch Mittelasien nach Chinas. Wahrscheinlich war die Sprachenkunde des 52) Es sind Moses der „Alte" ben Kalonymos (787), dessen Sohn Kalonymos der „Alte" (ca. 830) und sein Enkel Meschullam Raöbana (ca. 870). 53) Süditalien war auch das Ur prungsland der spanischen Juden, s. Graetz, Geschichte der Juden 5 4. Aufl.), 607. s4) f. Teschuboth geone Zarfas Nr. 90. 91. 92. 95., vgl. Luzzatto in Bcth ha—ozar 56a und Graetz a. a. O. 379. 3B) Scheffer-Boichorst in Mitth. des Instituts für öst. Geschichtsforschung VI. 521. Ueber die Bedeutung der deutschen Juden für den fränkischen Handel s. Kiesselbach, Der Gang des Welthandels im Mittelalter S. 27, Horniger in Zisch, s. d. Gesch. d. Juden in Deutschland 180 ff. 26) Wie Gozolas 473 für den Bischof von Clermont (Briefe des Apoll. Sidonius). 37) Journal asiatique 6 Serie V. 512 ff; Simonsen in Revue des etudes jaives 54, 141.