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Im deutschen Reich · 1921-02-01 · Heft 2 (Februar 1921) · p. 62

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 2 (Februar 1921)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1921-02-01
Page
62 (sequence 8)
Language
German
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62 In: deutschen Reich ausnehmen und in ein anderes Land — jenseits des Ozeans verpflanzen. Man liebt es in Amerika, große Worte gelassen auszusprechen. Man vergißt/ daß es sich hier um mehr als drei Millionen Menscher: handelt. Wohin mit solchen Massen? Welches Land wäre willens und imstande, eine so große Zahl von Einwanderern auch in einem Zeitraum von einigen Jahren aufzunehmen? Allerdings stehen jeK die Grenzen Großrußlands der jüdischen Einwanderung offen, und in diesem unermeßlich weiten, äußerst dünnbevölkerten Lande von fast ausschließlich agrarischem Charakter ist für die Gewerbetätigkeit und den Handel der jüdischen Massen ein uneingeschränktes Feld vorhanden. Das wäre das Nächstliegende, und die meisten Juden der Ukraine schauen, ebenso wie die meisten polnischen Juden, sehnsüchtig nach dem Tag aus, in dem die Verhältnisse in Sowjet-Rußland eine große Auswanderung dorthin möglich machen werden. Mein, wann dieser Tag kommen wird, ist noch ungewiß, ebenso unsicher ist es, ob unter der Herrschaft des Bolschewismus, auch wenn er sich bedeutend umgestaltet hat, für die Privat- Zerroimcn^ Wirtschaft Raum sein wird. Auf jeden Fall steht es fest, daß die Aus- Hoffnungen Wanderung allein das Problem nicht zu lösen imstande 'ist. Allem Anschein nach haben die Bolschewisten auch von der Ukraine Besitz ergriffen und sind gesonnen, dort ebenfalls ihre Wirtschaftsordnung einzurichten. Den Juden wird wohl nichts anderes übrigbleiben, als im Lande selber ihr Wirtschaftsleben wieder aufzubauen und sich den Verhältnissen, so gut es geht, anzupassen. Hauptsache ist, daß die friedlichen Beziehungen zur nichtjüdischen Bevölkerung wiederhergesteüt werden. So schwierig dies auch scheint, unmöglich ist es nicht. Denn trotz aller Wildheit und Unmenschlichkeit fehlt den ukrainischen Pogromen das seelische Motiv des Hasses, sie entspringen nicht einem wohlüberlegten System, sondern sind spontan, eine Folge der allgemeinen Verrohung dieser ohnehin zuchtlosen, seelisch undisziplinierter: Bevölkerung während des sechsjährigen Krieges, der unzähligen Invasionen fremder .Heere, vor allem aber dem Beispiel, das von den gegenrevolutionären Generalen gegeben wurde. Wenn einigermaßen geordnete Verhältnisse wiederhergestellt worden sind, so dürften sich die aufgepeitschten Leidenschaften allmählich beruhigen, die Zuchtlosigkeit abnehme:: und ein normales Leben innerhalb gewisser Grenzen möglich werden. Vorläufig aber schwillt die Emigration der Flüchtlinge nach den angrenzenden Ländern Skandinavien, Polen, Rumänien beträchtlich an. Wir haben gesehen, daß die rumänische Regierung, ihren sonstigen Gepflogenheiten zum Trotz, die Flüchtlinge willig aufnimmt; es spielt hierbei die Rücksicht auf die unvermeidliche Auseinandersetzung mit Rußland um den künftigen Besitz Beßarahiens wohl die Hauptrolle. Auch die polnische Regierung übt weitgehende Nachsicht mit den Flüchtlingen, erleichtert ihnen nach Möglichkeit die Ausreise nach Amerika über Danzig, und zwar aus einem ähnlichen Motiv; Polen wird in Zukunft ohne eine friedliche Uebereinkunft mit der Ukraine schwerlich bestehen können, und da gilt es, die Sympathien der dortige:: Juden rechtzeitig zu gewinne n, indem man ihre Flüchtlinge gut behandelt. — Um so mehr verdient es hervorgehoben zu werden, daß die skandinavischen Lander ganz uninteressiert den Flüchtlingen wohlwollende Gastfreundschaft gewähren. So protestierte der dänische Justizminister Ritter vor kurzem gegen die Behauptung, er Hütte den Befehl erteilt, die Ostjuden aus Dänemark auszuweisen. Es seien mehrere Ausländer allerdings ausgewiesen worden, aber nur, weil sie sich gegen die Landesgesetze vergangen hätten, es seien darunter Deutsche, Polen, Russen, Oesterreicher gewesen; als die Polizei dem Minister eine Liste von Ostjuden überreichte, die sie auszuweisen Vorschlag, widersetzte e? sich dem in besonderer Erwägung, daß die Lage der jüdischen Flucht-

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