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Im deutschen Reich · 1921-02-01 · Heft 2 (Februar 1921) · p. 61

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 2 (Februar 1921)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1921-02-01
Page
61 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Jüdische Rundschau 61 haben sollte! Der greise Rabbiner erfreute sich in ganz Ungarn als Sprach- und Geschichtsforscher großen Ansehens. Sein Vater, vr. Leopold Loew, einer der bedeutendsten unter den Mitbegründern der modernen Wissenschaft des Judentums, war einer der ersten Vorkämpfer des magyarischen Patriotismus unter den ungarischen Juden, er führte zuerst Predigten» in ungarischer Sprache ein, und im Jahre 1848, bevor er als Rabbiner fungierte, nahm er mit der Waffe in der Hand am Freiheitskampfe der Magyaren teil. . . . Diesen Brief des Joint-Komitee nahm das Auswärtige Amt gewiß wohlwollend zur Kenntnis und gab den herzlichsten Gefühlen Ausdruck. . . . Wer kennt nicht diese Korrespondenzen mit Auswärtigen Aemtern über die Judenfrage? Es gibt ihrer die Fülle aus den Nach Jahren 1866—1878 in Sachen der rumänischen Juden. Alle großen jü- *gÄmtC51 dischen Organisationen korrespondierten unaufhörlich mit den Auswärtigen ~ U1 vrn Aemtern ihrer Staaten, erhielten die liebenswürdigsten Briefe und die besten Zusicherungen. Im englischen Parlament regnete es förmlich Interpellationen über jeden einzelnen Fall, und es liegen „zum ewigen Andenken" Antworten von den ersten Staatsmännern des britischen Reiches vor, die dazumal die Herzen der Juden höher schlagen ließen. Zur Zeit des Berliner Kongresses ließ -insbesondere die Pariser Alliance einen ganzen Apparat von Verwendungen und Fürsprechungen bei den führenden Kongreßmitgliedern spielen, nicht etwa Hintertüreneinslüsse, wie die Judenfeinde gern behaupten, sondern offene, eindringliche Vorstellungen, die aller Welt kundgegeben wurden, auf die bereitwillige Zusicherungen erfolgten, welche auch gehalten wurden, so daß auf Betreiben der maßgebendsten Staatsmänner des Zeitalters den rumänischen Juden feierlichst im Angesicht'der ganzen Welt die bürgerliche und politische Gleichberechtigung gewährleistet wurde. Und heute, 43 Jahre später, haben diese selben rumänischen Juden noch nicht einmal das tzeimatrecht in ihrem Vaterlands, ein Recht, welches ihnen sogar vom zarischen Rußland niemals verweigert worden war. (Man vergleiche den Verlauf dieser Entwicklung ausführlich bei Segel: „Rumänien und seine Juden", Berlin 1918, Ribelungen-Verlag.) An die „Korrespondenzen" von damals erinnert die vorliegende, zwischen den Londoner Organisationen und dem britischen Auswärtigen Amt geführte. Wir hören nicht den mutigen Aufschrei der Entrüstung, der die Dinge beim rechten Namen nennt und das Gewissen der Machthaber aufrüttelt. Mein so traurig die Lage der ukrainischen Juden in der Gegenwart ist, die Zukunft stellt sich noch düsterer vor. Das ganze Wirtschaftsleben Blick indis der Juden ist zertrümmert und wird von neuem aufgeöaut werden müssen. Zurunfr Hunderte von Gemeinden sind total vernichtet, die Gemeindeinstitutionen, Synagogen, Hospitäler, Schulen und dgl. sind vom Boden wegrasiert, die Einrichtungsgegenstände geraubt, verbrannt, in Trümmerhaufen zerschlagen, Vereine und, Genossenschaften aufgelöst, die Mitglieder in alle Winde zerstreut, die Wohnstätten verbrannt, zerstört, verödet. Da sich im Ansiedelungsrayon 90 Prozent der Juden vom Kleinhandel oder vom Handwerk ernährten und das ganze Erwerbsleben vernichtet, die Läden ausgeplündert, die Werkstätten zerstört, die Werkzeuge geraubt oder verbrannt worden sind, so hätten die Rückkehrenden nicht einmal die Möglichkeit, die wirtschaftliche Tätigkeit von neuem zu beginnen. Abgesehen davon, daß die friedlichen Beziehungen zur Umwelt lange Zeit benötigen werden, um einigermaßen wiederhergestellt zu werden. Man begreift es, daß eine jüdische Kommission aus Amerika, die im Sommer die Ukraine bereist hatte, in amerikanischen Blättern verkündete, für die Juden gebe es in der Ukraine keine Zukunft, man müsse sie alle aus dieser Hölle hin-

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