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Im deutschen Reich · 1921-02-01 · Heft 2 (Februar 1921) · p. 59

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 2 (Februar 1921)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1921-02-01
Page
59 (sequence 5)
Language
German
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Jüdische Rundschau 5-i amerüa oder gegen die Pest protestieren können. Wir wissen noch nicht, was der Völkerbund gegen seine eigenen Mitglieder erzwingen kann, er hat keine andere als „moralische" Machtmittel, deren Reichweite noch nicht erprobt ist. Daß es ihm gelingen sollte, durch dieses Mittel den Morderbanden in der Ukraine Einhalt zu gebieten, ist äußerst unwahrscheinlich. Dabei ist die Ukraine nicht einmal Mitglied des Völkerbundes, und ihre Gewalthaber pfeifen sich eins auf seine Beschlüsse. Der Schritt der Londoner und Pariser Herren ist eine leere Demonstration, er kann der Welt und insbesondere den.Ostjuden Vortäuschen, daß man in London und Paris über ihr Schicksal wacht. Möglich, daß dieser Schritt von Gewissensbissen eingegeöen wurde, vor mindestens zwei Jahren hätte er vielleicht genützt. Wenn die Herren von der Alliance und dem llvint foreign committee bei ihren Regierungen wirklich irgendwelchen Einfluß haben, dann wäre es ihre Pflicht gewesen, aus sie einzuwirken, daß sie ihren Beauftragten und Schützlingen, den Judenitsch, Koltschak, Denikiu, Wrangest Petjura und Balachowitsch, die sie so reichlich mit Munition und Gold unterstützten, auferlegten, keinen Sonderkrieg gegen die Juden zu führen, keine Pogrome zu veranstalten. Es wird keinem einfalleu, Frankreich oder England für die von den Bolschewisten veranstalteten. Judenmetzeleien verantwortlich zu machen, denn man weiß, daß die Entente, insbesondere Frankreich, gegen Sowjet-Rußland Krieg führt. Aber die gegenrevolutionären Generale, die von der Entente mit Kriegsbedarf versehen und moralisch gefördert wurden, warum erhielten, diese nicht einen energischen Wink, keine Pogrome zu machen? Die Pariser Alliance aber, ebenso wie das lloint korelgn QQrnrni ttee in London sollten die Psychologie der Pogrome zur Genüge kennen, um zu wissen, daß es hier heißt: principiis obsta! Sie waren verpflichtet zu wissen und hatten es in den Jahren des Weltkrieges noch gründlicher lernen sollen, daß eine Zusammeuhäufung von Kosaken welcher Art immer ohne Judenmetzeleien unmöglich ist, wenn sie nicht mit äußerster Strenge im Zaume gehalten werden. England und Frankreich, die ja nur für Recht und Gerechtigkeit kämpfen, waren verpflichtet, den von ihnen unterstützten Vorkämpfern des Legitimitatsprinzipes die unabweisliche Forderung aufzuerlegen, nicht nur keine Pogrome zu veranstalten, sondern ihnen mit aller Gewalt entgegenzuwirken. Denn, obwohl die Ukraine ein altes Pogromland ist und stets der eigentliche Schauplatz der russischen Judenmetzeleien war, so ist es nicht zn leugnen, daß das Vorgehen der Denikiu, Petjura und Wrangel die Juden erst recht vogelfreigemacht hat. Die Truppen dieser Generale gingen mit dem Beispiel voran, und, die Masse der Bauernbevölkerung sowie die Banden des Machno und Tjutunnik sagten sich: Wenn diese regulären, wohldisziplinierten Truppen die Jude;: schlachten, sengen und plündern dürfen, so ist dieses Geschäft offenbar straflos. Warum soll es n n s denn verwehrt sein, das gleiche zu tun? Es unterliegt keinem Zweifel, daß hier eine schwere, blutig schwere Unterlassungssünde auf seiten der jüdischen Organisationen in Paris und London vorliegt.- Es ist vollkommen! zwecklos, daß sie jetzt gegen die Bluttaten der entfesselten Banden der Ukraine beim Völkerbund protestiert haben, nachdem jene beinahe drei Jahre lang ungestraft toben durften^ geführt von Generalen, die im Bunde mit den erlauchtesten, demokratischer! und freiheitlichen Mächten des Abendlandes standen. Auch wenn dem Völkerbund eine Armee zur Verfügung stände und er willig wäre, sie nach der Ukraine zu entsenden, es wäre ihm unmöglich, die Juden zu schützen. Aber der Völkerbund hat gar keine Armee, sondern nur moralische Redensarten zur Verfügung, eine Waffe, die in der Ukraine auch in Friedenszeiten wenig verfing.

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