Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1921)
- Article
- [Ohne Titel] / L. H.
- Date
- 1921-02-01
- Page
- 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316912-2316914--31778-2358360- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
52 Im deutschen Reich derstand von „I u b e n u n b I u d e n g e n o ss e n" gegründet worden wäre. In Wirklichkeit liegen die Dinge gerade umgekehrt. Man braucht nur an unfern berühmten Vorkämpfer Gabriel R i e s s e r, an feine Reden in der Paulskirche, an seine zahlreichen Schriften, an Ludwig Bamberger, Eduard Lasker und Johann Jaeoby zu erinnern, um das Gegenteil zu erhärten. Biele in den Reihen unserer Gegner wollen sich nicht belehren lassen und erklären ausdrücklich, sie wollen die Wahrheit nicht hören. Aber ebensoviele sind es, deren ehrliches Gewissen .sich mit der Zeit gegen diese Kampsesart wenden wird, wenn ihnen der Nachweis der Fälschung insbesondere so augenscheinlich erbracht werden kann, wie es hier der Fall ist. Der Wahlkampf läßt das Wort „national"^ als ein Attribut derjenigen Partei erscheinen, die am meisten Judengegner in ihrer Mitte zählt. Es ist nichts Neues, wenn darauf hingcwiesen wird, welch ein Unfug mitdiesem Begriff fortgesetzt geübt wird. Als „national" werden alle diejenigen etikettiert, die ein bestimmtes Parteiprogramm unterschreiben; ob sie sonst für Vaterland und Staat leben und wirken, ob sie von Begeisterung und gutem Willen zum Wiederaufbau getragen sind, ist für das Parteietikett ganz gleichgültig. Wer aber die Parteigrundsätze einer bestimmten Partei nicht unterschreibt, ist in den Augen der Parteianhänger „n icht nationa I". Als Bismarck den Begriff Reichsfeindschaft prägte, hat er sicherlich nicht daran gedacht, daß aus diesem Worte Folgerungen für die Ewigkeit gezogen werden würden. Er konnte sich bei seinem Temperament manches Schlagwort erlauben, das, nach Jahrzehnten angewandt, Zeichen der furchtbarsten Brunnenvergiftung bedeutet. Schlimm genug ist es, wenn dieses Wort auch in jüdischen Kreisen, denen die Geschichte doch immer eine gewisse Scheu vor Schlagworten nabelegen sollte, geduldige Nachbeter findet. Darum muß auch hier noch ein Wort über die neuerdings erschienene, Broschüre „Vom n a t i o n a l d e u t s ch en Juden" von Dr. Max Naumann gesprochen werden, weil die Angleichung vieler Kreise an politische Schlagworte Denken und Empfinden innerhalb der jüdischen Gemeinschaft zu fälschen geeignet äst. Es gibt keine bessere Erklärung des Begriffes „n a t i o n a l d e u t s ch e r I u d e", als sie in § 1 der Satzung des Centralvereins durch die Forderung nach „un beirr ter Pflege deutscher Gesinnung" gegeben wird. Diese unbeirrte Pflege deutscher Gesinnung kann in den verschiedensten Parteien erfolgen. Es wäre ein unmögliches Beginnen, nachzuweisen, ob sie innerhalb der einen oder der anderen Partei besser geübt wird. Das wird die Geschichte zeigen.