Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1921)
- Article
- Zur Verständigung zwischen christlichen und jüdischen Deutschen
- Date
- 1921-02-01
- Page
- 48 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316912-2316914-2358301--31772-2358356- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
48 Im deutschen Reich der europäische Störenfried sei." Und da sollen die Juden . an Deutschlands Niederlage die Schuld haben? . /; Die Ursachen lagen ganz woanders. Es war das tragische Geschick des deutschen Volkes, daß es im kritischen Augenblick, nach Ausbruch des Krieges, dies ihm heuchlerisch angedichtete rücksichtslose Herrentum in seiner GejanOheit nicht hatte, obwohl es gegen den rücksichtslosen Vernichtungswillen die einzige Rettung gewesen wäre. Der weichliche christliche Altruismus des am meisten von sozialen Ideen erfüllten deutschen Volkes ließ sich nur im Anfang des Krieges, nach plötzlicher Erkennung der Gefahr, auf kurze Zeit zurückdrängen. Wieder stärker geworden, konnte er weder mit dem der Kriegführenden noch mit dem der mächtigeren neutralen Länder in Verbindung treten. Sonst hätten über die Vernichtungsnotwendigkeit der Deutschen Zweifel auftreten können. Statt dessen mußten stets neue Beweise der deutschen Barbarei geschaffen werden. Der verteufelt gute Gedanke, aus der munitionsgefüllten „Lusitania" Hunderte von Frauen und Kindern dem Kriege zum Opfer zu bringen, schaffte infolge der richtigen psychologischen Berechnung eine Bundesgenossenschaft von mehr als 100 Millionen zu einer Kreuzzugstimmung fanatisierter Amerikaner und damit die Schach-matt-Setzung der deutschen dilettantischen diplomatischen Gegenspieler. Und der innere Zusammenbruch? Haben den die Juden veranlaßt? Beruht er nicht ebenfalls auf dem fehlenden Ausgleich zwischen der Nietzsche-Darwinschen Oberschicht von Herrenmenschen und der altruistisch-sozialistisch orientierten Masse des Volkes? Und ist nicht der im Geburtsjahr des Darwinismus geborene Wilhelm II. das gutgläubige tragische Opfer desselben unausgeglichenen Widerspruchs geworden? War zu erwarten, daß die sich entrechtet fühlenden Massen für die Unfreiheit zugunsten der Oberschicht weitere Opfer bringen würden? Bei den Feinden beherrschte ein diktatorischer Wille alle. Pazifismus hn eigenen Lande Xombe blutig unterdrückt. Die schwache deutsche Regierung konnte weder mit den unzufriedenen Massen etwas nach außen, noch gegen diese nach innen etwas ausrichten. Als Gegengewicht gegen die nationalistische Selbstüberschätzung hatte sich ein übertriebener ethischer Altruismus in Gestalt des sozialistischen Internationalismus und der vaterlandsseindliche anarchistische Egoismus herausgebildet. Daher der Zusammenbruch. Nicht an seinen Juden, sondern an den Folgen des Darwinismus Englands ist Deutschland zugrunde gegangen. Das schlaue England hat das ahnungslose Deutschland, der Materialismus den Idealismus, aus den Leim gelockt. 'Wie ein verstorbener Kritiker schreibt, kämpften Dickens, Lackeray und Carlyle gegen die beiden englischen Erbübel „den Geldgeiz und die religiöse Heuchelei". „Sklave soll kein Brite sein!" heißt es in England. Die Deutschen sind als Opfer eigener Unvorsichtigkeit von Angelsachsen, Romanen, Slawen, Asiaten, Afrikanern zur Ehre des Christentums unter das englische Joch gedrückt worden. Sie ziehen mit anderen versklavten Völkern den Wagen des eng-