Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1921)
- Article
- Zur Verständigung zwischen christlichen und jüdischen Deutschen
- Date
- 1921-02-01
- Page
- 47 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2316602-2316912-2316914-2358301--31771-2358355- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Verständigung zwischen christlichen und jüdischen Deutschen 47 fechten, um einen Handel von 250 Millionen Pfund jährlich zu gewinnen?" Also: „Auri sacra fames!" Es mußte also ein Vernichtungskrieg geführt werden. Frankreichs und Englands Interessen hatten dieselbe Richtung. Sie fühlten sich jedoch allein zu schwach. Andere geschäftlich und politisch nicht interessierten Völker mußten hinzugewONnen werden. Deshalb mußten die wirklichen egoistischen Absichten verborgen gehalten bleiben. Ein Kesseltreiben mit genügendem fanatischen Schwung gegen die Deutschen war nur mit Hilfe geheuchelter moralischer Motive möglich. Sie mußten als unmoralische Friedensstörer, als Gefahr für die christliche Kultur, als unsittlicher Auswurf des Menschengeschlechts den einzufangenden Nationen gebrandmarkt werden. Dann konnte der rücksichtslose Vernichtungskrieg auch gegen ihre Frauen und Kinder mit gutem christlichen Gewissen geführt werden. „Gott will's." Nun ist aber doch der rücksichtslose Darwinismus englischer und nicht deutscher Herkunft. Warum brach denn nicht ein Kreuzzug gegen England los? Weil die Engländer geschäftskluge Psychologen sind. Erft deutscher psychologischer Dilettantismus war nötig, daß der sittenfeindliche darwinistische Keim unter der Pflege eines zwar gradsinnigen, aber politisch ahnungslosen deutschen Gelehrten und durch die dichterische Phantasie eines geistesgestörten Philosophen zu einem derartigen moralischen Ungeheuer auswuchS, daß die Kulturvölker, durch die puritanisch-frommen Engländer und die unschuldvollen Franzosen, mit Unterstützung des „Saero egoismo" der bündnistreuen Italiener auf die germanische Gefahr für die christliche Kulturwelt hingelenkt, zur Vernichtung dieser deutschen moralischen Mißgeburt zusammenströwLen. Welches waren denn nun aber die Kreise, die in undiplomatischer Prahlerei den lauernden Feinden die gesuchten moralischen Waffen gegen alles Deutsche in die Hand drückten? Waren es nicht diejenigen, welche mit Haeckel die germanische Rasse an der Spitze der Kulturvölker marschieren ließen? Nicht die deutschvöltischen Herrenmenschen, welche ihr Uebermenschentum dadurch praktisch demonstrierten, daß sie die politischen und religiösen Minderheiten in Deutschland reicht aufkommen ließen? Und dieselben christlichen Kreise waren es doch, welche sich von den Ausländern verleiten ließen, in die Verherrlichung des Krieges miteinzustimmen, ihn als „notwendiges Mittel für die Vervollkommnung des Menschengeschlechts" auszurnfen und die Bestrebungen einer ciKgememeu Friedensliga als unsittlich zu verwerfen. Konnten den frohlockenden Feinden schärfere Waffen gegen die germanische Rasse in die Hand gegeben werden als von den kurzsichtigen deutschvölkischeu antisemitischen Pangermanisten? Hertwig sagte von dem Buche des Generals von Bernardi „Deutschland und der nächste Krieg" (1913), dessen Inhalt von den Feinden über die ganze Welt verbreitet worden ist: „Wurde es doch von der Presse der Entente in ihrem Verleumdungsfeldzugs gegen Deutschland unter Totschweigen eigener, in genau der gleichen Richtung wirkender Schriststeller, zusammen mit der Nietzsche-Literatur, als Beweismittel und Stimmungsmache dafür benutzt, daß das militaristische Deutschland