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Im deutschen Reich · 1921-02-01 · Heft 2 (Februar 1921) · p. 46

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 2 (Februar 1921)
Article
Zur Verständigung zwischen christlichen und jüdischen Deutschen
Date
1921-02-01
Page
46 (sequence 5)
Language
German
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Im deutschen Reich 46 treten (1878) auf den Rassenantisemitismus hin. Als Ergebnis der Uebertreibung der darwinistisch-Nietzscheschen Rassentheorie entstand später eine ländliche Siedlung, der Mittgartbund, „ein Weg zur Erneuerung der germanischen Rasse" (ProgrammschrifL, 3. Auslage, 1911). Er dient denn Zweck, „rassische Zucht aus menschliche Formenkreise anzuwenden". „Die Siedlung ist mit einer durch Auslese gewonnenen Zahl von 1000 Frauen und 100 Männern bevölkert." „Die Ehe wird zur vorübergehenden Angehörigkeit geschlossen und gilt als gelöst, sobald die Gattin sich als Mutter fühlt." „Der Zuchtkreis ist aus -eine Minderheit auserlesener Männer beschränkt, deren Zeugungskraft zur vollen Auswirkung gelangt." Derartige Verirrungen haben mit dem deutschvölkischen Antisemitismus eine gemeinsame Wurzel. Rassendünkel und Selbstüberhebung ohne Berücksichtigung des Wertes anderer sind selbstverständlich einer Verständigung Zwischen Juden und Christen hinderlich, namentlich wenn man bedenkt, daß die Antisemiten, — denen von ihnen nahestehender Seite „Oberflächlichkeit, Uebertreibung, Gehässigkeit, Entartung" („Der Tag", Oktober 1920) vorgeworfen wurde — wenig Neigung zeigen, ernste Schritte zur Würdigung des sittlichen Wertes des Judentumes zu tun. Der „Golem", Dinier u. a. bilden die Grundlage zur Wertschätzung der jüdischen Sittenlehre. Wird in diesen Kreisen nicht alles Niedrige und Gemeine als „jüdisch" bezeichnet? Bei der früheren offiziellen Geringschätzung der jüdischen Religion erhielt die jüdische Jugend einen nur mangelhaften oder gar keinen obligatorischen Religions- und MoralunLerricht. Daß Juden sich der bequemen darwinistischen Sittenlehre anschlossen, kann deshalb nicht überraschen. Nun gibt es doch aber auch unter den Christen derartige „nicht erwünschte Persönlichkeiten" (Strack). Und das trotz der erziehlichen Machtmittel: Anstatt den Prozentsatz ihrer Egoisten einander vorzurechnen, sollten beide Seiten mit eiserner Energie auf die Ueberwindung der moralischen Anarchie unter Betonung der Pflicht zur aufopferungsfreudigen Vaterlandsliebe hinarbeiten. Ein derartiger Wettkampf würde am ehesten zur Verständigung führen. Was hat aber mit dem Darwinschen Egoismus und dem Rassenantisemitismus der Weltkrieg zu tun?" Wer deu Mut der Selbstkritik hat, wird das Folgende beherzigen müssen. Erging nicht schon 1866 von seiten der Franzosen der Ruf: „Räche für Sadowa" gegen das der „großen Nation" zu groß gewordene Preußen? Zur Ausführung der Rache waren sie 1870 zu schwach. . Daß sie eine bessere Gelegercheit suchten, war bekannt. Die Unterdrückung des aufstrebenden deutschen Konkurrenten erschien auch für den englischen Welt-JmperalismuS als eine geschäftliche Notwendigkeit. Worauf es den Engländern ankam, verriet, was Hertwig hervorhebt, eine angesehene englische Zeitschrift: „Wenn Deutschland," schrieb sie, „morgen vernichtet wäre, würde es übermorgen keinen Engländer geben, der nicht reicher geworden wäre. Nationen haben jahrelang um den Besitz einer Stadt oder um die Erbfolge gefochten. 'Müssen sie nicht auch-

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