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Im deutschen Reich · 1921-02-01 · Heft 2 (Februar 1921) · p. 45

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 2 (Februar 1921)
Article
Zur Verständigung zwischen christlichen und jüdischen Deutschen
Date
1921-02-01
Page
45 (sequence 4)
Language
German
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Zur Verständigung zwischen christlichen und jüdischen Deutschen 45 Lehre,-„.welche die gefährlichsten moralischen und sozialen Folgen haben würde", zu verbreiten. In seiner Vertrauensseligkeit wies er diese Warnungen als unbegründet zurück. Die sozialistischen und andere Kreise fühlten sich durch die Untergrabung der kirchlichen Autorität zu ihr hingezogen. Andererseits gewann bie Lehre von der berechtigten Unterdrückung der Schwachen den Beifall wirtschaftlich stärkerer Kreise. Jeder suchte sich das für ihn Passende heraus. Im Kampfe gegen die Uebertreibung kirchlicher Äußerlichkeiten wurde der sittliche Kern der christlichen Religion wie das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Es entstand ein religionsfeindlicher Materialismus.. Einen breiten Raum nimmt bei ihm die Rassenfrage ein. „Die indogermanische Rasse hat sich am weitesten vom Affenmenschen entfernt." „In der Gegenwart hat der germanische Zweig im Wettlaus der Kulturentwicklung die anderen Zweige überflügelt." „Die germanische Rasse ist es, welche jetzt vor allen anderen ihr Kulturnetz um den ganzen Erdball spannt." „Der Darwinismus bat eine aristokratische, keine demokratische Tendenz." „Im Menschenleben kann nur eine kleine bevorzugte Minderheit blühen, die große Mehrzahl muß darben und mehr oder weniger frühzeitig zugrunde gehen." (Haeckel, Natürliche Schöpfungsgeschichte.) Einen besonders verhängnisvollen Einfluß auf die Volksmoral hat Nietzsche als Lehrer der darwinistischen egoistischen Ethik ausgeübt. Ihm ist die „Züchtung des Uebermenschen, der eigentliche Sinn der Erde". „Leben ist Aneignung, Verletzung, Ueberwältigung des Fremden und Schwächeren, Unterdrückung, Härte, Aufzwingung eigner Formen, Einverleibung, Ausbeutung." Die christliche Sittenlehre ist ihm „eine Sklavenmoral". „Die Schwachen sollen zugrunde gehen." Wahrheit, Tugend, Gerechtigkeit haben keinen Wert, Selbstsucht, Brutalität, Rücksichtslosigkeit werden verteidigt. Gewaltmenschen, wie Napoleon, sind seine Lieblingsgestalten; Kant, Sokrates werden verspottet. Die besten Menschen sollen zur Erzeugung einer höheren Rasse zusammengeführt werden. Das erste merkbare Ergebnis dieser Anwendung des Darwinismus auf die Menschenrassen war, zuerst in Deutschland, das Aufflackern des Rafsenantisemitismus. . Der deutschvölkische Pan-' germanismus kam in Blüte, dessen Betonung den anderen Völkern, die als „überflügelt", „zurückgeblieben", als „Konkurrenten" bezeichnet werden (S. 751), als unerwünschte Konkurrenz verdächtig erscheinen mußte. Eine zweite Folge war die im „Sacro egoismo" sich austobende moralische Anarchie der Kulturvölker und die dritte, schlimmste, war der aus deutscher Kraftprahlerei und ausländischem Konkurrenzneid entstandene Weltkrieg, der im Zeichen der moralischen Heuchelei von den Feinden Deutschlands entfacht wurde. „Der Sieg des Judentums über das Germanentum" erschien bald nach Haeckels „Natürliche Schöpfungsgeschichte" (1868) im Jahre 1873, also noch vor der Gründerzeit, welche angeblich den Antisemitismus verursacht hat. „Die Judenfrage als Rassen-,. Sitten- und Kulturfrage" (1880) wies schon nach. Stöckers Apf-

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