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Im deutschen Reich · 1921-02-01 · Heft 2 (Februar 1921) · p. 44

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 2 (Februar 1921)
Article
Zur Verständigung zwischen christlichen und jüdischen Deutschen
Date
1921-02-01
Page
44 (sequence 3)
Language
German
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44 Im deutschen Reich niedrige Gesinnung verrät, als „jüdisch" bezeichnen! Nach den Lehren des Judentums ist jemand noch kein Jude, wenn er von jüdischer Abstammung ist. Die jüdisch-sittliche Lebensführung isü wichtiger als die Abstammung und das Bekenntnis (Lazarus, S. 158). Wir lassen uns deshalb keine Personen anhängen, welche durch eine unsittlich-egoistische Lebensführung sich selbst aus der jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen haben. Woher stammt aber das unmoralische Chaos, die Ursache des jetzigen Elends? Der Antisemitismus ist mit der Antwort schnell fertig. Der Jude ist schuld. Wer aber wirklich nachdenkt, wird finden, daß das Durcheinander offenbar zwei Wurzeln hat, eine sehr alte und eine recht junge. Beide Wurzeln gehen aus den dem Menschen angeborenen tierischen Egoismus zurück. Während aber dieser bereits 100 Generationen hindurch in der jüdischen Welt, seit Moses, mehr als 70 Generationen in der buddhistischen, bald 60 Generationen hindurch in der christlichen Welt und etwa 40 Generationen bei den Mohammed arrern durch den sittlichen Altruismus mit größerem oder geringerem Erfolge zurückgedrängt worden ist, hat er mit dem Siegeszuge des wie eine moralische Seuche wirkenden Darwinismus sich einen großen Teil der Kulturwelt, gewissermaßen als moralischer atavistischer Rückschlag, wieder zurückerobert. Da auf das darwinistische Danaergeschenk nicht nur der jetzt die Welt beherrschende „Sacro egoismo", sondern auch der Rassenantisemitismus, besonders aber die jetzige Lage int* seres Vaterlandes zurückgeführt werden kann, sei unter Hinweis auf O. Hertwigs „Abwehr des ethischen usw. Darwinismus" (1918) . auf die darwinistische Kampflehre kurz eingegangen. Bekanntlich waren im Anschluß an die französische Revolution soziale und ethische Fragen allmählich in den Vordergrund getre^ ten. Kapitalismus, Manchestertum, Individualismus, auch Anarchismus, Sozialismus, Kommunismus waren die Schlagwörter. Der Sozialismus bekämpfte die wirtschaftliche Ungleichheit, das englische Manchestertum verlangte unbeschränkte Entfaltung aller Machtmittel der freien Konkurrenz. Der ausgleichende Sozialismus ließ sich also mit dem jüdisch-christlichen Altruismus, das Manchestertum mit dem schrankenlosen Individualismus und Egoismus vergleichen. Da erschien 1859 Darwins Werk: „Uebewden Ursprung der Arten mittels natürlicher Zuchtwahl", in welchem die Unterdrückung der Schwachen durch die Starken als Naturgesetz nachgewiesen wurde. Mit wissenschaftlicher Objektivität wurde zum ersten Male der jüdisch - christlich - mohammedanisch - buddhistischen Ethik des Altruismus der Makel des Unnatürlichen aufgedrückt, da Ernst Haeckel und seine Schüler die biologische Lehre von der Aus-, wähl der besten Rassen auf die sittlichen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse übertrugen. Nach Haeckel ist Darwins Lehre „der höchste Triumph des menschlichen Geistes, der zur geistigen Befreiung und zur sittlichen Vervollkommnung der Menschheit beitrage". Darwins Lehre wird „in der Geschichte des geistigen Lebens ein Platz neben derjenigen des Moses, Buddha und Jesus angewiesen". Wie Haeckel selbst mitteilt, ist er davor gewarnt worden, diese

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