Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1921)
- Article
- Zur Verständigung zwischen christlichen und jüdischen Deutschen
- Date
- 1921-02-01
- Page
- 43 (sequence 2)
- Language
- German
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Zur Verständigung zivischen christlichen und jüdischen Deutschen 43 Seite zahlreicher sind als auf christlicher. Nach der Revolution seien Juden bei der Irreleitung des Volkes zahlreich hervorgetreten, dabei hätten die gebildeten bürgerlichen jüdischen Kreise eine schuldhafte Zurückhaltung geübt. Zwei demokratische „jüdische" Zeitungen hätten zu lebhaftem Unwillen Anlaß gegeben, endlich verträten die Zionisten englische Interessen. Strack gibt selbst zu, daß der Centralverein stets eine deutsche Gesinnung zum Ausdruck gebracht hat. Für Vorwürfe gegen die Zionisten sind aber die vaterländisch gesinnten deutschen Juden die falsche Adresse. In bezug auf die „jüdische Presse" überschätzt Herr Strack den Einfluß der Juden. Es ist nichts davon bekannt, daß irgendeine christliche Gemeinschaft je eine Erklärung gegen einen vaterlandsseindlichen Christen erlassen hätte. Trotzdem hat der Centralverein 1917 sich aufs schärfste gegen den Abgeordneten Cohn ausgesprochen. Mit dem Borwurf der Irreleitung des deutschen Volkes wird diesen; ein bedenkliches Armutszeugnis ausgestellt. Ist es wirklich so schlecht mit der Intelligenz des deutschen Volkes bestellt? Wenn die Juden eine geistige Ueberlegenbeih besitzen, weshalb stößt man die vaterländisch gesinnten derselben,' die an der Wiederausrichtung des Vaterlandes Mitarbeiten wollen, zurück? Oder sind nur die oppositionell gesinnten geistig überlegen? Vielleicht geht aber die Irreleitung von den Antisemiten selbst aus. Sie waren es doch, welche die Arbeiter unzufrieden gemacht haben. Auf die christlichen Kriegsgewinnler usw. soll hier nicht näher hingewiesen werden. Die von Herrn Geheimrat Strack angeschnittene Frage der bestehenden Unmoral ist jedoch von allergrößter Wichtigkeit, sowohl für die Verständigung von Juden und Christen als auch für jeden Versuch, die Zustände zu bessern. Darm?; muß den Wurzeln der gegenwärtiger Zustände uachgegangen werden, zumal da auch der Rassenantisemitismus mit diesen eine Wurzel gemeinsam hat. Den Parasiten der deutschen Volksgemeinschaft ist der rücksichtslose Egoismus das gemeinsame Motiv ihres Handelns. Dieser steht im Gegensatz zu den Lehren der christlichen Religion, aber auch zu den Foroerunger; der jüdischen Religion, wie kein christlicher Theologe besser bezeugen kann als gerade der hochgeschätzte Autor. In wenigen Sätzen hat während der Hochflut der antisemitischen Bewegung der Deutsch-Israelitische Gemeindebund die „Grundsätze der jüdischen Sittenlehre" veröffentlicht: „Das Judentum fordert Recht und Redlichkeit, verbietet jeden Wucher, jeden trägen, arbeitslosen Genuß. Es gebietet unverbrüchlich die Wahrheit zu bekennen, es gebietet das Vaterland zu lieben und für dessen Ehre, Gedeihen und Freiheit Gut und Blut willig zu opfern." „Die Liebe zum Sittlichguten allein ist die Ethik des Lebens, alles andere gehört zur Technik des Lebens" (Lazarus, Ethik des Judentums, S. 127). Nicht die Ethik des Judentums, sondern gerade das Hinwegsetzen über die Gesetze der jüdischen Sittenlehre ist schuld an der egoistischen Handlungsweise der unmoralisch .Handelnden. Welche Unwissenheit und Selbstüberschätzung liegt darin, daß gewisse Kreise alles, was eine