Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1921)
- Article
- Die Juden in der medizinischen Wissenschaft Deutschlands
- Date
- 1921-02-01
- Page
- 41 (sequence 5)
- Language
- German
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Dis Juden in der medizinischen Wissenschaft Deutschlands 41 jüdischen Forschung. Durch den Fund Neissers, der den Erreger des Trippers nachgewiesen hat, bekommt die Venerologie ein wissenschaftliches Fundament und durch die von ihm eingeführten Silbersalze die Waffe gegen die Bakterien. La-ssar, Lesser, Lewin, Unna, Jadassohn standen Neisser zur Seite, die ruhmreiche deutsche Wissenschaft der Dermatologie zu gründen. „Lassar", sagt das Handbuch der Geschichte der Medizin, „ist auch für die hygienische Fruktifizierung der neuen dermatologischen Forschungsergebnisse tätig gewesen und hat sich unter anderem ein außerordentlich 'großes Verdienst um die Popularisierung und Ausbreitung des Badewesens in Deutschland erworben; ferner hat er die nach ihm benannte Pastenform in die Therapie eingeführt und sonstige Forschungen über Lepra, die diabetische Dermatose (Hautleiden bei Zuckerkrankheit), die Uebertragbarkeit des Haarausfalls u. a. veröffentlicht." Mit vollem Recht galt Lassar als der Künstler auf dem Gebiet der Hautleiden und der Schönheitspflege wie jetzt kein zweiter auf der Welt. Aber einer überragte alle Venerologen an Bedeutung. „Die Großtat Paul Ehrlichs", so schrieb Professor Kolle in der Dermatologischen Zeitschrift (1919), „würde sicher schon ihre Ehrung durch Errichtung eines Denkmals für den Begründer der experimentellen Chemotherapie der Infektionskrankheiten erfahren haben, der Mit- und Nachwelt zur Kunde, wenn der Krieg nicht gekommen wäre. Den unauslöschbaren Dank des leidenden Teils der Menschheit hat er sich durch seine genialen Arbeiten schon gesichert und sich selbst damit ein unvergängliches Denkmal gesetzt, ein inOnumentum aere perennius ..." Seit dem Jahre 1496 wurde die Syphilis ausschließlich mit Quecksilber behandelt, jahrhundertelang mittels Einreibungen, bis Lewin die Einspritzung als exaktere Möglichkeit der Einverleibung in den Körper einführte. Alle anderen Versuche, das schwere Leiden erfolgreich mit neuen Mitteln zu bekämpfen, schlugen fehl, bis es Ehrlich gelang, das Salvarsan herzustellett. Trotz aller Anfeindungen hat sich das Salvarsan schnell als ein wunderbarer Heilfaktor für eine Reihe von Erkrankungen bewährt. Millionen von Menschen wurden in 10 Jahren mit diesem Präparat behandelt. Nur wenige Chemikalien in der ganzen Medizin haben eine sohche Anwendung erfahren wie die Salvarsanpräparate. Denn nichts' ist umstrittener als die ärztliche Therapie! Kaum ein Dutzend Mittel hat die Anerkennung der Mehrzahl der Aerzte. Dieses Mittel aber nahm einen bis dahin nicht gekannten Siegeszug durch die ganze Welt. Der Fund des Salvarsans ist für Ehrlich kein reiner Glückszufall gewesen, sondern das Produkt jahrelanger Mühen, die für ihn um so größer waren, als ihm jede staatliche Stellung versperrt war! Die exakte wissenschaftliche Methodik der Erforschung chemischer Mittel fand des weiteren einen namhaften Vertreter in Morgenroth, dessen Heilmittel gegen Lungenentzündung, vor allem das gegen die Wundinfektion das therapeutische Problem des Tages bildet, ebenso wie auf anderem Gebiete die Tuberkulosebehandlung nach Friedmann an die wichtigste Frage der ganzen Medizin rührt. Selbst wenn die Erfolge dieses Forschers nicht die erwarteten und