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Im deutschen Reich · 1921-02-01 · Heft 2 (Februar 1921) · p. 40

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 2 (Februar 1921)
Article
Die Juden in der medizinischen Wissenschaft Deutschlands
Date
1921-02-01
Page
40 (sequence 4)
Language
German
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40 Im deutschen Reich Auf dem Gebiet der Augenheilkunde ifi die Konstruktion des erften Augenspiegels durch Richard Liebreich*) dev Auftakt der neuen Zeit, an der Lebert (ursprünglich Lewy geheißen), Hirschöerg und Cohn ihren Anteil nahmen. Bon Cohn stammen u. a. allgemein wichtige Untersuchungen über die sozial-hygienische Bedeutung der Kurzsichtigkeit. In der Ohrenheilkunde verewigte seinen Namen der Wiener Ökologe Pollitzer. Das von ihm erfundene und nach ihm benannte Verfahren hat an Millionen Menschen seine heilende Wirkung erprobt **). Ueöerhaupt sind die jüdischen Namen in der Medizin nicht allzu selten— aus Gründen der historischen Gerechtigkeit— observiert. Aus der Zahl der bekannten Frankel trägt das Bakterium der Lungenentzündung seinen Namen von dem Entdecker Albert Franke l, der zahlreiche wertvolle Untersuchungen auf dem Gebiet der Lungennnd Herzleiden, über die Kohlensäureausscheidung im Fieber, die Wirkung der verdünnten Luft auf den Organismus u. a. hinterließ. Weniger bekannt ist der Name Stillings selbst für Fachleute. Neuerdings wurde darauf hingewiesen, daß er als erster im Jahre 1837 die Eierstöcke operativ entfernte und so ein geschickter Vorläufer der Altmeister der operativen Frauenheilkunde der Freund, Sänger u. a. war. Freund war nicht nur bahnbrechend auf seinem ureigensten Gebiet der Frauenleiden, sondern auch der erste, der die Lungenschwindsucht durch Ausschneiden von Rippenteilen zu heilen suchte. Was Israel auf dem Gebiet der Nierenchirurgie gewesen, ist noch in aller Erinnerung. Eine ähnliche bahnbrechende Leistung vollbrachten für einen anderen jungen Zweig der Heilkunde die Aerzte Hofsa und Joachimsthal, die als Mitbegründer der modernen Orthopädie zu gelten haben. Während der jüdische Einschlag auf allen diesen Gebieten ein recht beträchtlicher ist, und mancher bedeutsame Name das Bild zugunsten der schöpferischen jüdischen Wissenschaft noch abrunden könnte***), zeigt sich auf einem Gebiete die absolute Herrschaft der *) Richard Liebreich ist ein geborener Königsberger, der in Berlin assistierte und, in der Heimat nicht anerkannt. Zuerst 8 Jahre in Paris, dann in London praktizierte, wo er auf allen Gebieten der Augenheilkunde revolutionierend wirkte. Seine Arbeiten über Schiel- und Etasoperationen, seine Atlanten und Lehrbücher sind alle gleichbedeutend. Seinen Lebensabend verbrachte der große Gelehrte mit Kunstsragen, insbesondere mit der Technik der alten Meister. Auch in Amerika lebten viele bedeutende jüdische Aerzte und Wissenschaftler, die in Deutschland kein Fortkommen fanden (u. a. der geniale Forscher auf dem Gebiete der Entwicklungsgeschichte Lobe, der das Dunkel der ersten Tage des Eies teilweise zu beleuchten verstand). **) Der Ohrenarzt Moos hat Grundlegendes über das Wesen der Labyrinttzerkrankungen geschrieben. Der Träger des Nobelpreises Baranyi soll Jude sein. ***) Die Benutzung der Wasserheilkunde für den kranken Menschen in die Medizin eingeführt zu haben, war Lebensaufgabe des Oesterreichers Winternitz, die Erfindung des Zweizellenbades gebührt Gärtner, der Apparat zur Zählung der Blutkörperchen, den täglich Hunderte von Verzten benutzen, Fleischel von Mattow usw.

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