Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1921)
- Article
- Die Juden in der medizinischen Wissenschaft Deutschlands
- Date
- 1921-02-01
- Page
- 42 (sequence 6)
- Language
- German
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Im deutschen Reich 42 erwünschten wären, so bleibt doch der neue Gedanke an sich bestehen, der befruchtend in der Medizin weiterwirken dürste*). Aber kehren wir zur Frage der GeschlechtskrankheiLen zurück. Zur letzten Großtat der deutsche WissenschafL gehört der Nachweis der Syphilis aus dem Blut, jene Untersuchungsmethode. die jedem Laien als Wasiermannsche Reaktion bekannt ist. August von Wassermanns**) Blutprobe auf Syphilis hat die Erkennung und Behandlung der Syphilis in dem weitesten Maße gefördert. Man kann sich schon nicht mehr denken, daß man eine Zeit kurz vorher auf dieses wichtige Erkenuungsmittel hatte verzichten muffen! Ohne die bahnbrechenden Leistungen der genannten jüdischen Venerologen wäre der heutige hohe Stand dieser Fachwissenschast undenkbar. Me Verbreitung der Geschlechtskrankheiten hat ihre Einwirkung auf juristische, bevöLkerungsproblematische, ethische und hygienische Seiten des täglichen Lebens. Wie die jüdischen Aerzte an allen sozialhygienischen Bestrebungen besonderen Anteil nahmen, so haben sie besonders auch ' im Kampf gegen diese Volksseuche nach allen Richtungen hin aufklärend und bessernd gewirkt. Die Gesellschaft zur BekLmpsung der Geschlechtskranckheiten ist ein Kind Neissers und Blaschkos. Diese Beschäftigung mit sexuellen Problemen, die mitunter naturgemäß zur Reberschätzung führte, erschloß wichtige neue Fernen. Freud in Wien ward der Vater der Psychoanalyse, Steinach zum glücklichen ExperimenLator der Bisexualität, dessen neueste Publikationen selbst außerhalb der Fachwelt aus Interesse stießen; Iwan Bloch fand die JnnensekrsLion der Drüsen. Manch bedeutsamer Forscher ist aus dieser Zusammenstellung weggeblieben. Es konnte also nicht der Zweck sein, eine erschöpfendL Geschichte des jüdischen Einflusses in der Gestaltung der medizinischen Wissenschaft der letzten 100 Jahre zu geben. Lediglich sollte unter Beweis gestellt werden, daß der jüdische Anteil an der Entwicklung der Erkenntnis und der Behandlung der menschlichen -Leiden ein überaus glücklicher und grpßer gewesen ist, und daß alle 'Anschuldigungen, als ob der Jude nichts Schöpferisches leisten könne, an ihrem Wirken glänzend widerlegt sind. Aber nicht als ob diese historische Würdigung nur antisemitische Anwürfe entkräften sollte, sie hat die Aufgabe, die Bedeutsamkeit des jüdischen Geistes zu unterstreichen und die stark analysierende Form des jüdischen Denkens, das wiederausbauend wirkt, darzulegen. 3*t* VerftLVdigrmg zwischen christlichen mrd Mdrschen Dentschen. Von SanitäLsraL Dr. C. S. E n g e L, Berlin. Das Vorhaben des Herrn Geheimrats S t r a cf, die Gründe des Antisemitismus in dieser Zeitschrift zur Diskussion zu stellen***), ist zu begrüßen. Er glaubt, daß KriegsgewiRnler usiv. aus jüdischer *) Unter den übrigen Tuberkuloseforschern gilt Aufrecht als einer der bedeutendsten. **) Bon seinen übrigen bedeutsamen Arbeiten seien hervorgehoben: Die Immunisierung von Tieren gegen Cholera und sein Typhusserum. ***) Berg!. „Im deutschen Reich", Oktoberheft 1ll20.