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Im deutschen Reich · 1921-01-01 · Heft 1 (Januar 1921) · p. 23

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 1 (Januar 1921)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1921-01-01
Page
23 (sequence 6)
Language
German
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Jüdische. Rundschau 23 Die tu Deutschland aus vielen Gebieten des öffentlichen Lebens hervorragend ausgezeichnete Familie Jaffö stammt von dem Posener Rabbiner Movdechaj Japhe, der vorher in Breft-Litowsk fungierte. Alle diese Ostjaden waren übrigens ehemals Westjuden, sie sind bekanntlich aus dem Westen nach dem Osten eingewandert. Das sinnlose Wort fand wie zahlreiche seinesgleichen Anklang wegen seiner flachen Kürze und Leichtfaßlrchkeit. „Oftjuden", alle 7 ober 8 Millionen Juden, die von irgendwoher mit den östlichen Eisenbahnzügen ankommen können, bilden eine einzige große gleichartige Masse von minderwertigen Menschen, an die man mit -einem Gemisch von Granen und Mitleid denkt. Daß dieses von einem Juden geprägte Wort den A n t i s e m i ten sehr gut gefiel, ist nicht zu verwundern, es war so recht -geeignet, als aufreizendes Schlagwort in die Massen geworfen und als AgitaLionsmittel gegen die Juden im allgemeinen benutzt zu werden. Das Wort hat auch schon den Erfolg gehabt, daß es in eine richtige ft a a t s r e ch t l i ch e 11 rtunbe ausgenommen wurde. In der Schweiz wurde vor kurzem ein Gesetz beschlossen, wonach „Ostiuden" erst nach fünfzehnjähriger Ansässigkeit die Aufnahme in den Staatsverband beanspruchen dürfen, während für alle anderen Sterblichen eine zehnjährige genügt, „weil die Ostjuden in der Kultur niedriger stehen". Zum erstenmal hat also hier ein moderner, liberaler Staat den von unseren Ueberjuden so lange und eifrig hinausgeschrienen Gegensatz zwischen Ost- und Westjuden sich zu eigen gemacht und in einem Gesetz verewigt, nicht gerade' zur Ehre und zum Vorteil der „Ostjuden". Unsere Nationalisten können sich darauf etwas ernbilden. . . . Dieses neueste schweizerische Gesetz, welches wohl in anderen westlichen Staaten Nachahmung finden könnte, ist ein merkwürdiges Erzeugnis gesetzgeberischer Weisheit. Wo liegt die Scheidelinie zwischen Ost und West? Um die Mitte des 18. Jahrhunderts waren bekanntlich für die hochmütigen „Portugiesen" (Sephardim) in Südsrankreich ihre Glaubensgenossen in Frankfurt a. M., Hamburg und Metz Ostjuden, von denen sie weit abrückten und die sie bei der Regierung denunzierten, damit sie ausgewiesen wurden. Nehmen wir an: vor 10 Jahren haben sich in der Schweiz ansässig gemacht der Prof. Askenazi aus Warschau, einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber Polens, Mitglied der Krakauer Akademie der Wissenschaften, Vertreter seines Landes beim Völkerbund, oder der Prof. Josef Rosenblatt aus Krakau, einer der ersten Strafrechtslehrer Oesterreichs, Vorsitzender der Kommission zur Reform des Strafgesetzbuches, oder Ignaz Goldziher, einer der bedeutendsten Orientalisten der Gegenwart, Vizepräsident der Budavester Akademie der Wissenschaften. Er hat seinen christlichen Diener und seinen jüdischen Friseur mitgenommen. Jetzt bewerben sich alle drei um das Schweizerische Staatsöürgerrecht. Der Kammerdiener erlangt es sofort, aber der Orientalist von europäischem Ruf, der berühmte Strafrechtslehrer, das Mitglied des Völkeröundrats muß sich noch fünf Jahre gedulden, denn als Ostjude steht er niedriger in der Kultur. Freilich, wenn er sich taufen lassen wollte, — aber das hält er für nicht vereinbar mit seinem Gewissen. Sein Friseur dagegen ist nicht so zimperlich, er wird Christ — und nun erklimmt er mit einem Satz jene hohe Kulturstufe, die ihn würdig macht, aus der Stelle Mitglied der Eidgenossenschaft zu werden. Derartiger Fälle wurde nämlich eine ganze, Reihe zitiert. . . Die Weisheit der schweizerischen Gesetzgeber hat, wie man sieht,, eine ganze Weile kräftig geschlummert. Aber das Prinzip, es gebe zwischen Ostjuden und -Mestjuden grundlegende Unterschiede, hat einen Triumph zu verzeichnen. Das nationalistische Lager kann jubeln. Man kann sich dagegen schwerlich vorstellen, daß der „Asstmilant" Abraham Geiger seinen Freund H. Schor in Brody, daß Leopold Zunz 'in Berlin Nachman Krochmal in Zolkiew, oder Sarnuel David Luzatto in

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