Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1921-01-01 · Heft 1 (Januar 1921) · p. 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 1 (Januar 1921)
Article
Zwei "kräftige Irrtümer" im Antisemitismus und Alldeutschtum
Date
1921-01-01
Page
6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316912-2316913-2358207--31695-2358255
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6 Im deutschen Reich und man weiß doch, was für ein krustiger Hebel des Fortschritts dies in der Geschichte gewesen ist. Wie sehr diese Anregung, die in der Nötigung zur Selbstbehauptung gegenüber anderen Menschengrüppen sprudelte, durch vielfache und ausgedehnte Wanderungen gesteigert werden mußte, liegt auf der Hand.ch Das verleiht ihnen aber kein absolutes Uebergewichl über die anderen Rassen hinsichtlich der Knlturleistnng. Sodann die Stufen der Kultur, die von den einzelnen Menschenrassen im Laufe der Jahrtausende erstiegen worden find, kennt man im allgemeinen. Mit dem Niveau, zunächst der auf MLÄÜmechanischen Kultur, aus dem wir jm~ jetzt befinden, können Geg? selbstverständlich nur in entfernter Weise verglichen werden. Indes diese äußerliche Seite an unserer Kultur hat ja ihre wesentlichen Bestandteile auch erst im zweiten Drittel des v o rü - gen Jahrhunderts erlangt. In allen Jahrhunderten vorher entbehrte der Europäer ja ebenfalls der Eisenbahnen, der Dampsschiffahrt und Dampfmaschine überhaupt, des Gaslichtes, der Elektrizität, des Telegraphen und des Telephons und anderer Verkehrsmittel. Aber wenn von diesen neuesten Errungenschaften abgesehen wird, stehen andere Erdteile und Menschenrassen nicht absolut tief darunter. Oftmals nimmt man dies ja freilich an, aber nur, indem man z. B. nicht an folgende Tatsachen denkt. Auch die Aegypter müssen schon Hebevorrichtungen, wenn auch solche von primitivster Art, gekannt haben, um die ungeheuren Steinkolosse aus die Höhe der Pyramiden emporzuheöen. Ferner hat man auch in Palästina schon um 700 v. Ehr. hundert Ellen unter der E r d o b e r s l ü ch e einen Kana! von' zwolshundert Ellen Länge s o gebaut, daß die Arbeiter von zwei Seiten aus anaefangen haben mrh doch in der Mitte zusammengetrosfen sind. Dort, wo „Hacke gegen Hacke" schlug, haben ja die Arbeiter an der Wand des Kanals eine sechszeilige Inschrift eingemeißelt, die im Jahre 1880 von badenden Jerusalemern wieder entdeckte Siloah-Jnschristch. a*m Gebier' Auch das Niveau der geistigen Seite an der Kultur ist gem ebre. £en so genannten primitiven Völkern vielfach weniger niedrig gewesen, als leicht gedacht wird. Dies ist gerade erst neuerdings an mehreren Punkten sestgestellt worden. Denn im Gebiete des religiösen Glaubens hat die Forschung z. B. bei den Südaustraliern die Idee von einem Gotte Daramulun gesunden, den sie in ihren Mysterien als Vater und Schöpfer anrufen, dem sie keine Opfer (wie den übrigen Geistern) darbringen, von dem sie auch keine Bilder machen, und den sie als Wächter über gewisse Moralregeln anö) Die neuesten Forschungen über diese Wanderungen findet man in meinem Werk „Die Genesis einaelenet, übersetzt und erklärt" (1919), S. 397 f., 402, 418—20. ch Im althebräischen Original, z. B. bei Benzinger, Hebräische Archäologie (1907), S. 179, zu lesen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.