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Im deutschen Reich · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. 388

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Article
[Ohne Titel]
Date
1920-12-01
Page
388 (sequence 11)
Language
German
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Fm deutschen Reich 388 .Es ist bekannt, daß die Juden in Böhmen und Mähren seitjeher mit den Deutschen stimmten, viele Wahlbezirke sind den Deutschen nur dadurch erhalten geblieben, daß die jüdischen Wähler auf ihrer Seite standen. Der deutsche Charakter mehrerer Städte, vor allem Prags, wird nur durch die Juden bestimmt, die sich zum Deutschtum bekennen. * Me bisherigen Versuche der Tschechen, die Masse der Juden auf ihre Seite hinüberzuziehen, sogar der Antisemitismus, der unter den Deutschen der Sudetenlänper so üppig wucherte, hat die Haltung der'Juden! nicht merklich zu ändern vermocht. Wenn die Nationalautonomie konsequent durchgeführt wird und jeder, der zur jüdischen KouffeKon gehört, in den jüdischen Wahlkataster hinein muß, wird sie auf einmal ohne jede Mühe hier Abhiffe schaffen. Schon bei den letzten Wahlen hat die Absonderung zahlreicher jüdischer Wähler den Deutschen empfindlichen Schaden gebracht. Wenn erst alle Juden auf Grund der Nationalautonomie in einen eigenen Wahlkörper hineingepfercht werden, sind die Tschechen das ihnen so sehr unbequeme Zusammengehen der Juden mit den Deutschen gründlich los. Man wird jetzt leicht verstehen, warum die Regierung in Prag so freudig die jüdische Nationalität anerkannt hat. Nur versteht man nicht, warum sie noch dazu den heißen Dank der amerikanischen Zionistenführer einstrich. Diese hätten umgekehrt von den Tschechen Dank beanspruchen dürfen dafür, daß sie ganz arglos durch die ungestüme Forderung der jüdischen Nationalität ihnen zur Erfüllung eines ihrer heißesten Wünsche verholen haben. Als die Herren in Prag die amerikanische Depesche erhielten, müssen sie sich höchlich vergnügt die Hände gerieben und ausgerufen haben: „Sind die Juden aber schlau!" Nun bilden ja die Juden in der Tschechoslowakei einen geringen Prozentsatz der Bevölkerung. Wenn sie erst auf dem Jsolierschemel der Nationalautouomie. sitzen, werden sie aus dem politischen Leben ganz ausgeschaltet bleiben und-zur völligen Bedeutungslosigkeit herabsinken. Anders in Polen mit seinen 4,5 Millionen, Rumänien mit seiner Million und der künftigen Ukraine mit ihren etwa 3 Millionen Juden. Wenn die Nationalautonomie wenigstens nichts weiter wäre als eine innerstaatliche Angelegenheit! Aber , sie soll ja den Juden das Recht! geben, gegen die Regierung ihres Landes beim Völkerbund nötigenfalls Klage zu führen. Das würde dem Völkerbund oder der jeweils irr ihm ausschlaggebenden Macht erwünschten Vorwand gewähren, sich in die inneren Angelegenheiten der genannten Staaten, so oft-es ihr gefällt, hineinzumischen und an ihnen Erpressungen zu verüben. Diese östlichen Staaten wissen nur zu aut, was von dem Gerechtigkeitssinn und der Uneigennützigkeit ihrer Befreier zu halten ist. Sie wissen nur zu gut, von wie. kurzer Dauer Völkerfreundschaften zu sein pflegen und wie schnell sich Diplomatenherzen wenden können. jWas vom Wesen des Völkerbundes zu halten ist, ist ihnen auch kein Geheimnis. Da nun junge Staaten.über nichts so eifersüchtig wachen, wie über ihre Unabhängigkeit nach außen, so ist es kein Wunder, daß sie sich mit aller Kraft dagegen sträuben, diese neuartige Einrichtung zuzulassen, die fie der Willkür und Laune übermächtiger Beschützer ausliefert. Wir haben eingangs gesehen, wie wenig die Nationalautonomie den Juden' wirklichen^ Schutz gegen Unter-? drückung und Verfolgung von seiten einer feindseligen Bevölkerung gewährt. Jü mehr die Juden auswärts Klage führen, um so heftiger würden sie die Erbitterung und die Feindseligkeiten Herausforderin, sie würden nie zur Ruhe kommen. Sie würden den Staat, in dem sie leben, unablässig daran erinnern, daß er unter ausländischer Aufsicht steht. Ein wohlwollender rumänischer Staatsmann hat bald nach dem Friedensschluß erklärt, es könne davon die Rede sein, daß die Juden volle bürgerliche und politische Gleichberechtigung erhalten, nie aber vom Minderheitsschutz mit dem Recht, an eine auswärtige Instanz zu appellieren. Wir haben im vorigen

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